Erster Eindruck: Kodomo no Jikan TV – Episode 01

Bloged in Anime by Ataru Friday October 12, 2007

Jetzt ist die erste Folge von Kodomo no Jikan ausgestrahlt worden. Zum Glück, könnte man sagen. Letzte Woche gab es in der Fanszene nämlich noch ein kleines Drama als bekannt wurde, dass zwei von vier Sender die Ausstrahlung wegen des Zusammenhangs mit der “Nice Boat”-Affäre kurzfristig ausgesetzt hatten. Mit grosser Wahrscheinlichkeit versuchen alle TV-Sender momentan ihr Image aufzubessern und sind deshalb bei Animes sehr vorsichtig, die kontroverse Sachen zeigen oder Kontroverses zum Inhalt haben. Die “Nice Boat”-Affäre hat auch in der ersten Folge von Kodomo no Jikan ihre Spuren hinterlassen. Dazu weiter unten mehr.


Folge 01 greift die ersten zwei, drei Kapitel des gleichnamigen Manga auf und schafft es, der an und für sich ernsten Grundidee der Vorlage gerecht zu werden: Aoki Daisuke macht seine ersten Erfahrungen als junger Klassenlehrer an einer Grundschule, und wir lernen einiges über das Drittklässler-Trio Rin, Kuro und Mimi. Rin ist neckisch und verlautet vor der ganzen Klasse, sie sei von nun an Aokis Freundin. Sie provoziert ihn wie im Manga mit sexuellen Anspielungen und nimmt mit einer ganz bestimmten Aktion bewusst in Kauf, dass er seinen Job verlieren könnte. Aoki lernt jedoch bald, dass die frühreife Rin für ihr Alter eine komplexe Persönlichkeit ist. Kuro ist – erneut treu der Vorlage – gegenüber Aoki zunächst apathisch, ignoriert ihn so gut es geht, und beleidigt ihn als perversen Pädophilen weil sie mitansehen muss, wie Aoki und Rin sich näher stehen als ihr lieb ist.


Bei Mimi stellt sich früh heraus, dass sie wegen schlechten Erfahrungen mit dem früheren Klassenlehrer dem Unterricht fern bleibt. Sie wurde von diesem Ex-Lehrer eingeschüchtert und stark verletzt. Aoki, nachdenklich durch ein Gespräch mit Rin, besucht Mimi Zuhause und schafft es, mit den richtigen Worten ihr Vertrauen zu gewinnen und sie für den weiteren Besuch der Schule zu überzeugen. Parallel zu dieser Handlung läuft eine Nebenhandlung, in der wir Rin und Kuro kennenlernen. Rin und Kuro sind beides extrovertierte Mädchen und haben ihre dunklen Seiten – beide haben den früheren Klassenlehrer wegen der schlechten Behandlung von Mimi und weiteren Schülern so lange drangsaliert, bis dieser seinen Job gekündigt hatte. Aoki stellt sich einmal die Frage, was das wahre Ich der beiden Mädchen ist: Die frühreife, gegenüber Erwachsenen drohende Seite, oder die warmherzige Seite, die sie ihrer Freundin Mimi zeigen. Bei Rin zeigt sich, dass sie generell kein Vertrauen in Erwachsene hat, ähnlich wie die streunende Katze im Schulhof kein Vertrauen zu Menschen hat…

Der Stoff in Folge eins ist dicht gepackt. Es wurde meiner Meinung nach gut rübergebracht, weil nur Weniges überflüssig wirkt und die einzelnen Szenen und Nebenstränge gut miteinander verknüpft sind. Das merkt man z.B. an den einzelnen Übergängen, die durch Aokis Stimme getragen werden oder durch die Stimme von weiteren Figuren. Die Musik trägt auch einiges dazu bei, dass die erste Folge neben ein paar lustigen Szenen eine generell eher ernste und streckenweise gar düstere Atmosphäre versprüht (die Szene, in der Aoki abends alleine im Klassenzimmer sitzt und dann von Rin und Kuro besucht wird, hat beinahe den Touch vom Thriller/Horror-Genre). Folge 01 steht somit ein wenig im Kontrast zur OAV, die mit Band 4 des Mangas verkauft wird. In der OAV spielt das fröhliche Treiben der drei Mädchen eine grössere Rolle, und auch der Faktor Fanservice ist ein Level höher geschraubt.


A propos Fanservice: Die erste Folge ist stellenweise massiv zensiert: Geschriebene Fluchwörter und Beleidigungen werden von einem kleinen Bild verdeckt, beim Aussprechen von “unanständigen” Wörter wird die Tonspur einfach schnell mit Gehupe oder Tiergeräuschen ausgetauscht und bei Einstellungen, in denen Rin halb nackt zu sehen wäre oder sonst riskierte Sachen gezeigt werden, wird prompt das Logo der Serie eingeschoben.

Die Zensur ist massiv. Sie ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nachträglich eingeführt worden. Das sieht man daran, weil die Einschübe bildlich eher grob ins Szene gesetzt wurden und bei manchen Einstellungen nicht klar ist, worum es eigentlich geht, solange man die Vorlage nicht kennt. Die Bilder hier stammen von der Ausstrahlung des Senders KBS.

Mich persönlich stört die Zensur jedoch bisher nicht wirklich. Sie nimmt sich selber nicht allzu ernst und trägt mit ihrer Selbstreflexivität auch zum Humor einzelner Szenen bei. Beim DVD-Release wird die Zensur wohl nicht mehr zu sehen sein. Zudem geht es in der Serie auch weniger um Fanservice, sondern um die Handlung, und die wird, wie gesagt, ihrer Vorlage gerecht. Die einzelnen Figuren sind der Vorlage treu geblieben, allen voran Aoki, Rin und Hoin-sensei. Nur Kuro ist für den Verlauf der ersten Folge leicht abgeändert worden: Sie bedroht und beleidigt Aoki in der Kalligraphiestunde ziemlich schnell, wohingegen im Manga zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich klar ist, dass sie mit Aoki auf Kriegsfuss steht.

Wie steht es mit den technischen und künstlerischen Aspekten der ersten Folge?

Die Character Designs sind der Vorlage ebenfalls treu geblieben. Sie wirken niedlich und sie sind eigenständig genug, um aus der Masse von herzigen Serien herauszustechen; sie haben einen klaren “Manga”-Touch (achtet z.B. auf die Umrisse der Augen, die weissen Striche an den Rändern und die Lichtreflexion in den Pupillen).

Etwas enttäuschend ist hingegen die eigentliche Animation geraten: Sie wirkt eher unterdurchschnittlich und im besten Fall ist sie reiner Durchschnitt. Es gibt keine Szenen, bei denen man das Können und Handwerk einzelner Animatoren herausspüren kann – alles wirkt irgendwie gleichmässig und dadurch auch ein bisschen unspannend, so wie es leider für viele TV-Serien dieser Art zutrifft. In diesem Punkt ist die OAV ein Tick besser, zumindest beim Opening, das doch einige ganz hübsch fliessende, kurze Bewegungen enthält. Die Hintergründe wiederum sind ebenfalls reiner Durchschnitt und fallen nicht besonders auf – sie bleiben rein funktional.


Die Musik hingegen gefällt mir etwas besser, als was man bei ähnlichen Serien geboten kriegt. Anstelle einer billigen Synthesizermelodie wird in Kodomo no Jikan wenigstens versucht, bei fröhlichen und alltäglichen Szenen ein bisschen beschwingte Geigenmusik einzubauen (wahrscheinlich auch ab Synthesizer, aber wenigstens fällt es nicht negativ auf).

Das Opening und Ending sind ganz nett geraten. Es sind beides fetzige J-Pop Stücke, besonders das Abspannslied, das mit den Figuren in Super Deformed glänzt und einer Rin, die ihren Aoki-sensei vernaschen will.



Am liebsten wäre mir gewesen, dass die Macher das Punk-Ending der OAV übernommen hätten. Das würde der Serie als Ganzes noch einen Tick mehr Kanten geben und sie so besser vom restlichen Einheitsbrei hervorheben.

Insgesamt bin ich mit der ersten Folge zufrieden und lasse mich überraschen, wie die Macher die restliche Vorlage umsetzen werden. Die einzelnen Mangakapiteln sind für eine einzelne Folge zu kurz, und es wird sich daher von nun an zeigen, ob die Macher weiter wie bisher zwei Kapitel für eine Folge vermengen und gewisse Details schon früh vorwegnehmen, oder ob sie mit eigenem (Füll-)Material daherkommen.

5 responses to “Erster Eindruck: Kodomo no Jikan TV – Episode 01”

  1. avatar Suzu says:

    Kodomo no Jikan wurde übrigens nicht wegen dem Nice Boat Incident von vielen Sendern abgesetzt, sondern weil ein Vize-Direktor einer Schule wegen sexueller Belästigung einer 16-Jährigen angeklagt wurde. Er soll ausserdem über 600 Bilder von Minderjährigen gemacht und auch verkauft haben. (denke mal die Bilder waren ziemlich evil ;))

    Hm, ich lese den Manga im Moment auch und wenn man den ganzen Fanservice wegdenkt, ist es eine unterhaltsame Serie. ;) Nicht das es mich stören würd, find’s einfach heikel, aber ich diskutiuere immer wieder gern drüber. ^^

    Ob ich mir den Anime angucke weiss ich noch nicht, aber allein schon die Zensur tönt witzig.

  2. avatar Ataru says:

    Hallo Suzu!

    Oh je, du hast natürlich recht. Ich hätte mich vorher besser informieren sollen: http://tinyurl.com/2wo7hv

    Die ganze Situation ist meiner Meinung nach weit übertriebener als die “Nice Boat”-Affäre, aber solche Dinge sind halt in Japan sehr heikel. Die Produzenten des Anime wissen übrigens zur Zeit selber nicht ganz genau, wie es weitergeht und lassen auf ihrem Blog die Fans wissen, dass selbst ihnen gewisse Informationen vorenthalten oder schlicht zu spät mitgeteilt werden http://kojika-anime.at.webry.info/200710/article_3.html

  3. avatar Kilano says:

    OMG!! wo tauchen plötzlich die ganzen freaks auf die zu jeder gelegenheit genau das tun was irgendwo in irgendeiner form oder ähnlichen art in einer beliebten bzw. erwarteten serie passiert o.o ich fass es nicht, kommt mir schon vor wie ein sport.

    ein glück is der manga noch, werd wohl auf die dvd’s warten müssen, den so zieh ich mir das nicht rein.

    Eine kritisch unzensierte serie….zensieren…
    ich glaub über den schlechten scherz hat die erfinderin der serie ersma ne runde gekotzt.

    amen

  4. avatar Ygg says:

    Yo, kann mich mal jemand darüber aufklären, was es mit dem ganzen “Nice Boat” Komplex auf sich hat? Musste ausgerechnet in der Zeit wo das aufgetreten ist Off gewesen sein :)

  5. avatar Ataru says:

    @Kilano

    Was der Herr im echten Leben getan hat, ist nicht der eigentliche Inhalt von KnJ (abgesehen von einem “Prototyp”-Kapitel, wo Rin einen päd. Schulleiter stellt). Ich verstehe die Zensur hier auch weniger, aber ich vermute wie gesagt, dass die Sender v.a. um ihr Image besorgt sind.

    @Ygg

    Am 18.September hat in der Präfektur Kyoto eine 16-jährige Schülerin ihren Vater mit einer Axt erschlagen. Daraufhin setzten einige Sender die letzte Folge von “School Days” aus, in der eine der Protagonistinnen den männlichen Hauptchara mit einem Messer absticht. Auch die letzte Folge von der zweiten Higurashi-Staffel wurde kurzfristig abgesetzt. Einer der Sender hat anstelle von “School Days” eine Werbesendung für Ferien in Skandinavien namens “Nice Boat” gezeigt. Der Name ist wegen unfreiwilliger Komik und den Umständen innert kürzester Zeit zu einem Running Gag geworden.

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