Classic Anime Openings – Teil 1

Bloged in Anime,Musik by Ataru Tuesday February 5, 2008

Beim Gucken von Animes aus der aktuellen Season stelle ich erneut fest, wie schwer es mir generell fällt, mich für neue Animes zu begeistern und wie selektiv ich bei meiner Auswahl an neuen Serien vorgehe, die ich mehr oder regelmässig verfolgen will. Die Handlung muss was hergeben und darf nicht mit zu ausgelutschten Themen und Konzepten aufwarten. Zuviel Pathos und übertrieben zelebrierte Jugendängste empfinde ich als Kitsch und meide Serien mit solchem Content bereits von vorneherein so gut es geht. Animes, die wiederum auf “amerikanisch” tun, indem sie das zelebrieren, wovon sich die Macher eventuell auch einen guten Absatz im Westen versprechen (—> düstere, unverständliche Science Fiction-Dystopien, grosse Wummen, Titten, aalglatte Bösewichte mit coolen Sprüchen, usw), entsprechen auch nicht gerade meinem Geschmack. Bei der Umsetzung von Visual Novels oder DatingSims stehe ich wiederum teils auf den Schlauch, weil ich die entsprechenden Vorlagen nicht kenne.

Kurzum, es gibt nur wenige neue Animes, die ich wirklich mag. Die Schwierigkeit beginnt teils bereits bei den jeweiligen Openings und Endings. Die Grosszahl der mit Eurobeat, Trance und Rock angereicherten J-Pop Songs des neuen Jahrtausends vermögen mich nicht wirklich zu überzeugen. Dafür ist mein Geschmack nun doch etwas … na ja, zu altmodisch? Das ist schade, denn gerade Openings und Endings machen für mich einen beträchtlichen Teil dessen aus, was mir bei Animes gefällt: Die Atmosphäre.

In letzter Zeit stelle ich fest, dass in Anime-Blogs vermehrt gerne aktuelle Openings und Endings vorgestellt werden. Ich finde das keine schlechte Idee. So kann man sich einen ersten Eindruck davon verschaffen, ob einem ein Anime zusagen könnte oder nicht. Da ich der Meinung bin, dass die Mehrzahl der heutigen Animefans Oldschool-Animes aus den Achtzigern und teils gar solche aus den Neunzigern nicht mehr kennt, nehme ich das nun zum Anlass, um einige meiner Lieblings-Openings und -Endings vorzustellen – oder auch einfach solche, die in unserem Sprachraum gänzlich unbekannt sind. Bei den folgenden Ops und Eds gefällt mir aber nicht bloss die Musik, sondern teils auch die Animation oder schlicht der Einfall, wie man die Lieder visuell ansprechend umsetzen kann. Meine Auswahl hängt auch teils mit Nostalgie zusammen. Einige der hier vorgestellten original Ops und Eds kenne ich nämlich teils bereits über zehn Jahre, u.a. als ich manche von ihnen zum ersten Mal in Op/Ed-Sammlungen auf Laserdisc entdeckt oder den Original Soundtrack dazu erstanden hatte.

Fangen wir mal mit einem Opening an, das ich wahnsinnig sympathisch finde:

[youtube kAmMSDlXtv4]

“Miracle Girl” von Mariko Nagai, das erste Opening zur lustigen Sport-Soap Yawara.

So eine Art von J-Pop, die gefällt mir: Fröhlich, unbeschwert, simpel, ergo ein echter Ohrwurm. Das ganze verpackt mit einer doch sehr sympathisch wirkenden Hauptfigur, die erst noch goldig animiert daherkommt. Dazu fällt mir auf, wie “bodenbeständig” das ganze daherkommt. Die Serie ist Slice of Life mit einer trendigen Hauptfigur, also wird auch mit Bildern gearbeitet, die im Alltag verwurzelt sind und etwas Glamour vermitteln: Eine Kleider-Boutique, eine amerikanische Grosstadt im Hintergrund, ein grosses Filmposter, eine Bar, usw. Und lustig ist das Opening dank des schrägen Opas auch noch.

Weil das erste Opening so gut ist, hier gleich das zweite Opening der Serie: Ame ni kissu no hanataba o, von Aiko Kayou.

[youtube aB_L0DfUp7I]

Das zweite Opening gefällt mir sogar fast besser als “Miracle Girl”. Diesmal schleicht sich in der Melodie neben Unbeschwertheit auch leichte Sentimentalität und Melancholie rein. Ich finde es auch hier klasse, wie die Hauptfigur Yawara uns Zuschauern nahegebracht wird: Als absolut sympathisch wirkendes Mädel, das in jedem Kleid modisch aussieht (daher auch der Untertitel “fashionable Judo Girl”). Spitze finde ich auch die Anspielung auf den Hollywood-Klassiker Casablanca und die Szene mit den Regenschirmen, die klar von Musicals inspiriert ist. Solche Einfälle sichern einem jeweiligen Opening oder Ending einen Platz in meiner ewigen Hitparade.

 

Weiter geht’s mit einem meiner ganz grossen Lieblinge. Eine beinahe perfekte Mischung aus leicht bittersüssen J-Pop, gemixt mit wunderbarer Cut-Out Animation im Wasserfarben-Stil:

[youtube Gm8cMmWWG7Q ]

Kanashimi yo konnichiwa, das erste Opening von Maison Ikkoku, gesungen von Yuki Saitou. Ein schönes, leicht melancholisches J-Pop Stück (daher auch das Titel des Lieds “Hello Sadness”).

Die Stärke dieses Openings zeigt sich gleich von den ersten Sekunde an: Es wird der Eindruck erzeugt, als ob die Figuren und die Hintergründe gross animiert werden würde, was sie in ganz kurzen Einstellungen auch sind. Beim Grossteil der Einstellungen dominiert hingegen Cut-Out Animation, also ausgeschnittene Bilder, die die eigentliche Animation ersetzen. Für dieses Opening zeichnet sich Akemi Takada verantwortlich, die bekannte Character Designerin aus Serien wie Creamy Mami, Orange Road oder Patlabor. Hat man mal die Bilder aus einem ihrer heute meist vergriffenen Artbooks gesehen, erkennt man in diesem Opening ihre schraffierten Gouache-Bilder sofort wieder.

 

Eines teilen sich alle drei bisher vorgestellen Openings: Sie wurden von Kitty Films produziert. Kitty Films war in den Achtziger und Neunzigerjahren eine Produktionsfirma, die besonderen Wert auf Musik legte. Die Firma produzierte ursprünglich Musik zu Doramas, ehe sie Musik zu Realfilmen und Anime zu produzieren begannen. Mit Urusei Yatsura waren sie die ersten, die ein Anime-Franchise vorwiegend durch Musik gepuscht haben ( geht mal die diversen OSTs und Best ofs von UY zusammenzählen; da kommt eine stattliche Zahl heraus).

Weil Kitty Films mit ihrer Musik eine möglichst breite Masse ansprechen wollte, musste diese auch echte Hitqualitäten aufweisen. Das nächste Opening, auch eins von Maison Ikkoku, hatte das eindeutig:

[youtube ak629fVb3AM ]

Suki sa, von der Gruppe Anzen Chitai. Ein Lied, das durch seine Melodie und durch die Stimme von Sänger Kouji Tamaki durchs Mark und Bein geht. Das Opening selber (Nr.3) ist vom Inhalt her nur mässig interessant, da schneiden die anderen Maison Ikkoku Openings (es existieren 6, und sie sind alle ziemlich gut) mit ihren visuellen Experimenten besser ab, aber das Lied… wow. Man findet es in Japan auch mit Leichtigkeit in Karaoke-Etablissements.

 

Für das heute als letztes vorgestelle Opening gibts einen deutlichen Stilbruch:

[youtube 11jnarZgU2Q]

Sora kara koboreta story (“Eine Geschichte, die vom Himmel her gekommen ist”), von der Gruppe da Capo. Das Opening zur Serie Meitantei Holmes.

Was für ein wundervolles Lied, so sanft, leicht und….. hmm…. intim? Es ist ein Opening, das einfach Herz hat.
Das Opening und Ending von “Sherlock Hound” erinnern mich leicht an das superbe Ending von Miyazakis Porco Rosso, bei der die Stimme der Sängerin eine “Es war einmal”-Geschichte singend erzählt. Dort dominiert ein grosses Orchester, hier eine kleine Kappelle mit klassischen Instrumenten. Zum Opening-Lied wurden lediglich Szenen aus den ersten 6 folgen des Animes gewählt, an denen der Maestro Miyazaki Hayao persönlich Hand angelegt hat (und das merkt man den Szenen an. Der Mann hat einfach ein tolles Gespür für Action). Das Ending wiederum ist sogar noch sanfter ausgefallen als das Opening und hat teils eigens fürs Ending animierte Sequenzen, und teils Ausschnitte aus den ersten Folgen der Serie (manchmal ist das Character Design ganz anders. In diesem Fall handelt es sich um die Pilotfolge zur Serie, die später noch im Kino gezeigt wurde).

7 responses to “Classic Anime Openings – Teil 1”

  1. avatar fyl says:

    80er Jahre J-Pop, Oldschool-Cel-Technik und eine Wirtschaft, die sich sowas leisten konnte. ;)

  2. avatar Kenshin says:

    Der Zeichenstil von Kanashimi yo konnichiwa sieht ein wenig aus wie der von Ranma 1/2. o.O
    Ich persönlich mag in der letzen Zeit keine Intros die sich nach Intro anhören. Sprich den letzten von One Piece, Naruto oder D.Gray-man hört man es schon von weiten an, das es Intros sind. 2007 hat mir das von Higurashi no Naku Koro ni gefallen.
    Op1: http://youtube.com/watch?v=3hHKmiRwyBU
    Op2: http://youtube.com/watch?v=4jFjUbE2cbk
    Besonders das neue der zweiten Staffel fand ich toll.

    Auch die Intro’s von Sayonara Setsubou Sensei sind toll:
    Op1: http://youtube.com/watch?v=Rh0d77Co6LY
    Zoku: http://youtube.com/watch?v=2UAD4aYdp8g

    Ein bisserl schräg, aber das von Lucky Star bringt mir auch immer ein schmunzeln ins Gesicht:
    http://youtube.com/watch?v=0e4Fc9MHg4A

    Es ist also nicht alles verloren^^

    Klassische Intros wie hier haben natürlich ihren eigenen Charme.

  3. avatar Ataru says:

    @Kenshin

    Die Ähnlichkeit beim Design könnte daran liegen, dass Maison Ikkoku ebenfalls auf einer Mangavorlage von Rumiko Takahashi basiert. Dann wiederum steckt hinter beiden Serien derselbe Produzent (Kitty Film) und teils auch dasselbe Studio (Studio Dean).

  4. avatar Kenshin says:

    Oha… das erklärt es natürlich.

  5. avatar Suzu says:

    Oh, die beiden Yawara Openings mag ich auch sehr, ich wünschte wirklich der Manga würde auf französisch herauskommen. :(

    Das erste Maison Ikkoku Opening ist mir fast etwas zu ruhelos, was mir etwas Augenweh macht (na gut, ich breauche soweiso ‘ne Brille) aber die Farben sind wirklich schön.

    Die Stimme von dem Sänger aus dem 3. Maison Ikoku Intro hat einen ja wirklichg um, schade, das der Rest nicht so interessant ist, da hätte man mehr draus machen können. Ich frag mich gerade ob man das Lied irgendwo noch bekommt. ^^’

    Ein Intro das ich extrem mag ist das zu Serial Experiments Lain, nicht nur wegen dem Lied sondern auch weil es die Stimmung der ganzen Serie imho extrem gut rüber bringt.
    Ähm, okay die Serie ist ja nicht wirklich alt… aber auch schon bald 10 Jahre.. ^^’

  6. avatar Ataru says:

    Das Lied “Suki sa” von Maison Ikkoku findet man auf dieser preiswerten Best Of Combilation CD hier: http://www.cdjapan.co.jp/detailview.html?KEY=PCCG-492
    Wer nur eine einzige CD von Maison Ikkoku braucht, der muss diese Combilation haben; sie enthält alle wichtigen Openings und Endings zu Serie.

  7. avatar Kurisu says:

    Ich glaub der Typ über mir ist ein Spam-chan.

    “Suki sa” ist so ziemlich das beste Lied aus einem Vorspann überhaupt und gehört auch sonst in eine Liste der ewigen Besten. Es ist auch der wenigen Lieder bei denen der instrumentelle Teil genauso überzeugt wie der Gesang. Allerdings habe ich kein Lied von Anzen Chitai gefunden, dass mir auch nur annährend so gut oder überhaupt sonderlich gefällt.

    Die Animation dazu ist sicherlich nichts zum nach Hause telefonieren, aber doch ziemlich gut zusammengeschnitten und unterstreicht das Lied passend. Mehr wäre vielleicht auch gar nicht so gut, weil es dem Lied die Show stehlen würde.

    Außer dem Maison-Ikkoku-Vorspann sollte man sich auch diese Konzertaufnahme in voller Länge ansehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=whjZaEcUgBs

    Nein, das ist nicht Snoop Doggy Dogg!

    Mit der steckerlosen Version kann ich persönlich gar nichts anfangen, weil da irgendwie alles fehlt, was das Lied für mich gut macht:

    http://www.youtube.com/watch?v=qeHxCamJMVI

Leave a Reply

Your email address will not be published.

28 queries. 0.418 seconds.
Powered by Wordpress
theme by evil.bert