{"id":127,"date":"2008-10-25T21:49:18","date_gmt":"2008-10-25T20:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/ani.donmai.ch\/?p=127"},"modified":"2008-10-25T22:01:45","modified_gmt":"2008-10-25T21:01:45","slug":"in-space-no-one-can-hear-you-scream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ani.donmai.ch\/?p=127","title":{"rendered":"In space no one can hear you scream"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"wp-images\/alien03.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Kaum ein Film ist so einflussreich f\u00fcr die Filmgenres Science Fiction und Horror wie Ridley Scotts <em>Alien<\/em> (1979). Noch heute fasziniert die Geschichte um eine ganz unheldenhaft-menschliche Raumschiffbesatzung, die von einem unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt bis auf eine \u00dcberlebende dezimiert wird. Die grosse St\u00e4rke des Films ist seine dunkle, albtraumhafte Atmosph\u00e4re, f\u00fcr die er sich sehr viel Zeit nimmt. <!--more-->In <em>Alien <\/em>sind die Einstellungen nicht bloss einzelne Filmbilder, sondern sie scheinen aus dem menschlichen Unterbewusstsein zu stammen &#8211; sie sch\u00f6pfen ihre Kraft aus tiefsten menschlichen Ur\u00e4ngsten. Der Planet, auf dem die Besatzung des Raumschiffs Nostromo landet, ist dunkel, kalt und vermeintlich ohne Leben. Das braun-dunkle Innere der Nostromo, wo sich der Grossteil des Films abspielt, sieht aus wie eine alte M\u00fcllhalde mit engen Tunnels und Sch\u00e4chten. Das verlassene Raumschiff, in dem einige Crewmitglieder das Alien finden, hat etwas Organisches an sich; gleichzeitig wirkt es alt und verlassen, und damit auch sehr gothisch. Schliesslich noch das <em>Alien<\/em>, ein extrem bedrohliches Monster ohne Gesicht. Ein schwer definierbares Zwitterwesen und Meisterst\u00fcck des Schweizers Surrealisten H.R. Giger.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"wp-images\/alien02.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Ich gebe es ohne Umschweife zu: <em>Alien<\/em> ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme; schon viele Male gesehen, noch nie an ihn sattsehen. Das hat zum einen mit den bereits erw\u00e4hnten St\u00e4rken des Films zu tun, zum anderen auch mit der grossen Spannung um das Schicksal der Raumschiffbesatzung und der von Jerry Goldsmith komponierten Musik, welche die visuelle Unheimlichkeit und klaustrophobische Atmosph\u00e4re perfekt unterstreicht. Menschliche Ur\u00e4ngste wurden im Kino selten so gekonnt zelebriert wie hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"wp-images\/alien01.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Was hat das Ganze jetzt mit Anime zu tun, und wie komme ich auf das Thema? Nun, heute konnte ich <em>Alien<\/em> zum ersten Mal im Kino sehen, im Rahmen einer Filmreihe &#8220;Psychoanalyse und Film&#8221;. Den Grossteil der Besucher machten intellektuelle Stadtmenschen im gehobenen Alter aus, die, so h\u00f6rte ich es aus der anschliessenden Diskussion \u00fcber den Film heraus, beruflich oder hobbym\u00e4ssig was mit Psychoanalyse zu tun hat. Es war schon ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl, einer der j\u00fcngsten Zuschauer im Saal zu sein und beobachten zu k\u00f6nnen, wie die unwissenden Zuschauer auf den Film reagieren. Wenn ein Mini-Alien sich seinen Weg durch die Eingeweiden eines Crewmitglieds bohrt und dabei eine Sauerei hinterl\u00e4sst, braucht es starke Nerven. Das Unbehagen der Zuschauer w\u00e4hrend dieser einen ber\u00fchmten Szene war jedenfalls im Saal deutlich sp\u00fcrbar, und auch sonst hat der Film ihnen richtig Angst aber auch Respekt eingefl\u00f6sst.<\/p>\n<p>Nach dem Film gab es einen kurzen Vortrag einer Journalistin und Psychoanalytikerin, die den Film auf freudianische Art und Weise kurz analysierte. <em>Alien<\/em> fordert mit seinen Konstrasten, Namensgebungen (&#8220;Mother&#8221; f\u00fcr den Bordcomputer) und unkonventionellen Genderrollen eine psychoanalytische Lesart geradezu heraus. Die daran ankn\u00fcpfende Diskussion war teils interessant und auch am\u00fcsant. So glaubte eine Zuschauerin, in Ripleys Beziehung zum Kater &#8220;Jones&#8221; einen sexuell unterschwelligen Ton erkennen zu k\u00f6nnen; rote Katzen seien in Literatur und M\u00e4rchen prinzipiell immer Kater. Eine andere Person erkl\u00e4rte, einer der gr\u00f6ssten \u00c4ngste, die der Film ausl\u00f6se, sei der Kontrast zwischen Lebendigem und Totem und der Wandel zwischen diesen beiden Zust\u00e4nden (Tiefschlaf, Aufwachen, Koma, u.s.w.)<\/p>\n<p><em>Angst<\/em> und <em>bedrohliche Atmosph\u00e4re<\/em>, darauf will ich eingehen: Mir ist aufgefallen, dass ich beim Schauen eines Anime eigentlich noch nie echte Angst versp\u00fcrt habe. Jedenfalls nicht diese Art von Angst, wo man als Zuschauer permanent angespannt ist und das eigene Herzklopfen sp\u00fcrt &#8211; etwas, das <em>Alien<\/em> bei mir perfekt erreicht, aber auch der Nachfolgefilm <em>AlienS<\/em> oder Spielbergs Thriller <em>Jaws<\/em>. Vielleicht liegt es daran, dass man bei Anime, bedingt durch die K\u00fcnstlichkeit des Mediums, mehr Abstand nimmt als bei Realfilmen, wo man sich mit den menschlichen Darstellern unbewusst schneller zu identifizieren versucht?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"wp-images\/angels_egg01.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Eine bedrohliche, unheimliche Atmosph\u00e4re erzeugen, das hingegen erreichen einige Animes ganz gut. Ich denke da an Mamoru Oshiis <em>Beautiful Dreamer<\/em> und besonders an <em>Angel&#8217;s Egg<\/em> (1985). Ein weiterer Kandidat in meiner pers\u00f6nlichen Hitparade ist das Sciencefiction Drama <em>Now and Then, Here and there <\/em>(1999), das die Unmenschlichkeit und Verzweiflung der Protagonisten gut zum Ausdruck bringt. Oder Katsuhiro Otomos <em>Akira<\/em> mit seiner von Blade Runner inspirierten Megalopolis Neo-Tokyo. Doch wie schon gesagt, wirkliche<em> Angst<\/em> habe ich bei diesen Filmen keine versp\u00fcren k\u00f6nnen. H\u00f6chstens eine leichte Anspannung, wie etwa bei <em>Higurashi no Naku koro ni (<\/em>2006), wo man nie weiss, wann eine niedliche Lolita pl\u00f6tzlich zu einer unkontrollierten Killermaschine mit gr\u00e4sslicher Fratze wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"wp-images\/higurashi.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>A propos <em>Alien<\/em>: Wie gross ist sein Einfluss in Anime sp\u00fcrbar?<br \/>\nDie alte OAV &#8220;<a href=\"http:\/\/www.anime-ronin.de\/review-57-Lily_CAT.htm\">Lily C.A.T.<\/a>&#8221; soll ziemlich stark von <em>Alien<\/em> abgekupfert haben. Selber habe ich ihn noch nicht gesehen. Ob die OAV was taugt?<br \/>\nEin anderer Anime, der deutlich von Alien<em>S <\/em>inspiert ist, ist <a href=\"http:\/\/www.mania.com\/original-dirty-pair-project-eden_article_75529.html\">Dirty Pair &#8211; Project Eden<\/a>. Da kommen versteinerte Mutanten vor, die zum falschen Zeitpunkt lebendig und schleimig werden. Sp\u00e4ter machen sie gar einen Wandel zu einem Zwitterwesen durch, und so greift dieser Anime nicht nur den Einfall eines unheimlichen Wesens zur\u00fcck, sondern greift auch die darunter liegenden freudianischen Konzepte auf &#8211; zwar durchaus plakativ, aber immerhin tut er es. Zu guter Letzt haben sich die Macher auch einen Spass daraus gemacht, Yuri eine Alien-Tarnung zu verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"wp-images\/yuri_alien01.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Film ist so einflussreich f\u00fcr die Filmgenres Science Fiction und Horror wie Ridley Scotts Alien (1979). Noch heute fasziniert die Geschichte um eine ganz unheldenhaft-menschliche Raumschiffbesatzung, die von einem unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt bis auf eine \u00dcberlebende dezimiert wird. 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