{"id":326,"date":"2009-04-30T02:01:22","date_gmt":"2009-04-30T01:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/ani.donmai.ch\/?p=326"},"modified":"2009-05-23T23:24:03","modified_gmt":"2009-05-23T22:24:03","slug":"yoko-tsuno-als-anime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ani.donmai.ch\/?p=326","title":{"rendered":"Yoko Tsuno&#8230; als Anime?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"margin: 1em; float: left\" src=\"wp-images\/51R5F2D4YAL._SS500_.jpg\" alt=\"\" \/><br \/>\nLetzte Woche war ich an der Buchausstellung in Genf und habe ein paar gebrauchte Alben von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yoko_Tsuno\">Yoko Tsuno<\/a> auf Franz\u00f6sisch gekauft. Der Kauf hat sich gelohnt: Es ist eine tolle Abwechslung, neben Mangas wieder frankobelgische Comics zu lesen und in die eigene Kindheit eintauchen.<\/p>\n<p><strong>Yoko Tsuno<\/strong> von Roger Leloup geh\u00f6rt neben <em>Spirou &amp; Fantasio<\/em> und <em>Gaston<\/em> zu den frankobelgischen Comics, die ich als Kind am liebsten gelesen habe. Die ersten H\u00e4lfte der Saga mit B\u00e4nden wie &#8220;Die dritte Sonne von Vinea&#8221; oder &#8220;Die Zeitspirale&#8221; zeugen von einem ge\u00fcbten Auge f\u00fcr <!--more-->technische Details von Leloups grossen Erz\u00e4hlreichtum. Yoko Tsuno gilt mittlerweile zurecht als einer der grosse Klassiker der Bande D\u00e9ssin\u00e9es.<\/p>\n<p>Als Elfj\u00e4hriger war ich besonders fasziniert von den SF-Fantasy Abenteuern rund um die blauh\u00e4utigen Vineaner und ihren Heimatplaneten Vinea. Es ist verr\u00fcckt, wie gut ich mich nach zwanzig Jahren noch an einzelnen Szenen aus Alben wie &#8220;Die Titanen&#8221;, &#8220;Die Zeitspirale&#8221; oder &#8220;Die dritte Sonne von Vin\u00e9a&#8221; erinnere. <img decoding=\"async\" style=\"margin: 1em; float: right\" src=\"wp-images\/51ZT744XDZL._SS500_.jpg\" alt=\"\" \/>Mit \u00dcberlichtgeschwindigkeit reisen, fremde Kreaturen entdecken, die weit fortgeschrittene Technologie der Vineaner bestaunen und benutzen, Zeitreisen machen, u.s.w. Das alles bieten diese Alben von Yoko Tsuno und dies f\u00fcr frankobelgischen Comics der damaligen Zeit auch auf ziemlich realistische Art und Weise. Dass die Heldin des Comics zudem eine h\u00fcbsche und schlaue Japanerin ist,  steigert das Lesevergn\u00fcgen nur noch mehr.<\/p>\n<p>Man kann sich nun die Frage stellen, ob ein Anime zu Yoko Tsuno existiert. Dem ist leider nicht so. Zwar wurden in den Achtzigern einige frankobelgische Comics in Co-Produktion mit Japan produziert (so etwa <a href=\"http:\/\/coritzius.de\/cubitus\/\">Cubitus<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_J._Kwak\">Alfred J.Kwak<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V3t9QhtAofE\">Boes<\/a>), aber ausgerechnet zum Comic mit der tollen Japanerin gibts keine Anime-Umsetzung&#8230;. Wobei, Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Anime schienen einmal existiert zu haben, und es w\u00e4re sogar ein toller Animator mit von der Partie gewesen. Das beweist ein Ausschnitt aus einer Ausgabe der Zeitschrift Animage (<span style=\"color: #008080;\">04\/1998 &#8211; <em>Sondernummer im Gedenken an Yoshifumi Kond<\/em><em>?<\/em><\/span>):<br \/>\n<a href=\"wp-images\/yoko_tsuno_yoshifumi_kondo2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/yoko_tsuno_yoshifumi_kondo2_sm.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Skizzen stammen von Animator <a href=\"http:\/\/www.nausicaa.net\/miyazaki\/kondo\/#passing\">Yoshifumi Kond<em>?<\/em><\/a>, dem wir die tollen Character Designs und Animationen aus Animes wie <em>Anne mit den roten Haaren<\/em>, <em>Das Grab der Leuchtk\u00e4fer<\/em>, Kiki&#8217;s Delivery Service oder <em>Only Yesterday<\/em> verdanken. Yoshifumi Kond<em>?<\/em> war bis zu seinem fr\u00fchzeitigen Tod 1998 einer der einflussreichsten Animatoren der j\u00fcngeren Anime-Geschichte und der Lieblings-Animator von <em>Hayao Miyazaki<\/em> und <em>Isao Takahata<\/em>. Urspr\u00fcnglich h\u00e4tte er bei Studio Ghibli das Erbe dieser beiden grossen Anime-Regisseuren \u00fcbernehmen sollen, doch leider ist &#8220;Whisper of the heart&#8221; 1995 sein erster und einziger Anime-Spielfilm geblieben.<\/p>\n<p>Wie genau fortgeschritten die unver\u00f6ffentlichten Pl\u00e4ne f\u00fcr den Yoko-Anime waren, bleibt unbekannt. Auf Japanisch steht dort lediglich, dass es sich wahrscheinlich um Skizzen zu einer Figur aus einem englischen Comic (!) namens &#8220;Sparklady Y\u00f4ko&#8221; (!!) handeln w\u00fcrde; ein Comic, deren Umsetzung bei Nippon Animation zur Zeit von Kond<em>?<\/em>s Anstellung in Planung war. Weitere Infos existieren, zumindest auf dem Internet, keine. Auf franz\u00f6sischen Seiten ist nirgends von Pl\u00e4nen seitens der Japaner die Rede.  Roger Leloup selbst verr\u00e4t in einem Interview zwar, dass die S.E.P.P. (<em>Soci\u00e9t\u00e9 d&#8217;Edition, de Presse et de Publicit\u00e9 <\/em>&#8211; eine Tochterfirma des franz\u00f6sischen Verlags Dupuis) seit 1984 einen Trickfilm geplant haben soll, dass daraus letzten Endes jedoch nichts geworden sei. Die obigen Skizzen von Kond? d\u00fcrften mit den Pl\u00e4nen der S.E.P.P. nichts gemein haben.<\/p>\n<p>Hier beginnt das grosse R\u00e4tselraten und Spekulieren: Wie sind die Japaner eigentlich auf den Namen &#8220;Sparklady Y\u00f4ko&#8221; gekommen? Wieso dachten sie, die Vorlage sei ein englischer Comic? Wann war der Anime in Planung, und was h\u00e4tte da umgesetzt werden sollen?<\/p>\n<p>Beim Titel und dem Herkunftsland hat vielleicht der japanische Journalist falsch recherchiert. Zu welcher Zeit der Anime in Planung gewesen war, falls \u00fcberhaupt (siehe weiter unten), dazu gibt es nun zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder zwischen 1978-80, als Kond? vom Studio <em>A-Pro<\/em> zu <em>Nippon Animation<\/em> stiess (f\u00fcr Hayao Miyazakis &#8220;Conan&#8221; und Isao Takahatas &#8220;Anne mit den roten Haaren&#8221; ), oder zwischen 1986-87, als er nach 5 Jahren <em>Telecom Animation<\/em> f\u00fcr &#8220;Eine fr\u00f6hliche Familie&#8221; (Little Women) erneut bei Nippon Animation involviert war.<\/p>\n<p>Schauen wir uns mal die Skizzen genauer an: Die Yoko links auf dem Motorrad und die rechts aussen sehen in etwa so aus wie die Yoko in Leloups fr\u00fchen Alben: Sie tr\u00e4gt dieselben Kleider, denselben Hut und f\u00e4hrt auch dasselbe Motorrad (eine 125er Honda) wie in der Kurzgeschichte &#8220;der Trick mit den Bienen&#8221; (Erstver\u00f6ffentlichung: Spirou Nr.1747, Oktober 1971) im Band &#8220;unter Hochspannung&#8221;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/516CWY6VKWL._SS500_.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Selbst ihre damalige Sixties-Frisur wurde 1:1 \u00fcbernommen. Dem Gesicht nach zu urteilen sieht sie auch nicht wie eine klassische Animefigur aus, sondern eher so wie Leloup sich eine attraktive Japanerin ausgedacht hat. Besonders das Gesicht der Yoko auf der rechten Seite sieht deutlich asiatisch aus. Das Gesicht der mittleren Yoko hingegen sieht jetzt moderner und st\u00e4rker nach Anime aus; fast ein bisschen so wie eine typische Miyazaki-Heldin, samt einer Sechzigerjahre-Frisur. Vielleicht waren die beiden ersten Zeichnungen tats\u00e4chlich noch Teil einer geplanten Umsetzung der fr\u00fchen Alben, wohingegen das mittlere Bild erst sp\u00e4ter entstanden ist.<\/p>\n<p>Es ist gut m\u00f6glich, dass auch nie ein Anime von Yoko Tsuno in Planung war. Vielleicht ist Yoshifumi Kond? w\u00e4hrend einer Englandreise 1978 f\u00fcr die Produktion von <em>Anne<\/em> auf einen Band von Yoko Tsuno oder einer Ausgabe von Spirou gestossen, und Yoko k\u00f6nnte ihm dabei so sehr gefallen haben, dass er sie privat f\u00fcr sich selber gezeichnet hat. Kond?<em> <\/em>war jedenfalls bekannt als Vielzeichner, der hunderte von Skizzen angefertigt hat.<br \/>\nNicht auszudenken jedoch, was Yoko Tsuno durch Kond?s grossen Animationsk\u00fcnste f\u00fcr ein qualitativ hochwertiger Anime geworden w\u00e4re. Kond? war ein talentierter Animator f\u00fcr subtile K\u00f6rpersprache, besonders bei Kinderfiguren. Yoko als Anime-Figur mit ihm als Designer und Chefanimator w\u00e4re sicherlich grossartig ausgefallen. Ob das jedoch gut zu den strengen technischen Designs von Leloup Science Fiction-Welten gepasst h\u00e4tte, ist nun eine andere Frage.<em> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche war ich an der Buchausstellung in Genf und habe ein paar gebrauchte Alben von Yoko Tsuno auf Franz\u00f6sisch gekauft. Der Kauf hat sich gelohnt: Es ist eine tolle Abwechslung, neben Mangas wieder frankobelgische Comics zu lesen und in die eigene Kindheit eintauchen. 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