{"id":61,"date":"2007-07-26T00:18:29","date_gmt":"2007-07-25T23:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ani.donmai.ch\/?p=61"},"modified":"2007-07-26T00:18:29","modified_gmt":"2007-07-25T23:18:29","slug":"bewusster-an-anime-herangehen-patlabor-tv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ani.donmai.ch\/?p=61","title":{"rendered":"Bewusster an Anime herangehen (Patlabor TV)"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_mini.jpg\" style=\"margin: 1em; float: left\" \/><br \/>\nIn letzter Zeit ist mir bei meinem Animekonsum ein Verhalten aufgefallen, das mich je l\u00e4nger je mehr st\u00f6rt: In der heutigen Zeit, in der beinahe jeder Anime problemlos runtergeladen oder gekauft werden kann, werden einzelne Animefolgen oder Filme\/OAVs oft unbewusster als zu fr\u00fcheren Zeiten geschaut. Man tendiert dazu, Anime sprichw\u00f6rtlich zu &#8220;konsumieren&#8221;, als ob es sich hierbei um eine beliebige Folge aus der Lindenstrasse handeln w\u00fcrde, die man <!--more-->am n\u00e4chsten Tag wieder vergisst. Mit anderen Worten: Man schaut einfach zuviel Anime, als dass man sich &#8211; abgesehen von Inhaltsbeschreibungen f\u00fcr Blogs und Foren etwa &#8211; \u00fcber das Gesehene gross Gedanken machen w\u00fcrde oder pers\u00f6nlich gewonnenen Erkenntnisse anderen mitteilen w\u00fcrde.<\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">Ersetzt das &#8220;man&#8221; der obenstehenden Zeilen mit &#8220;ich&#8221;. In den letzten Monaten habe ich (zu)viele Anime geschaut und wusste nach einigen Tagen teils nicht mehr, was ich mir da sprichw\u00f6rtlich &#8220;reingezogen&#8221; habe. Ein Burnout droht, und das ist gar nicht gut. Wenn ich bedenke, dass ich in meinen Anfangsjahren als Animefan einzelne Animefolgen oder ganze Serien mehrmals geschaut habe, um kleine Details in der Handlung und in der Animation aufzuschnappen und so aus ihnen pers\u00f6nlich Befriedigung und Erkenntisse f\u00fcr meinen weiteren Animegenuss zu gewinnen, so beurteile ich diese schleichende Tendenz in meinem Animeverhalten klar als negativ. Dass man es auch anders machen kann, beweisen zahlreiche Blogs im englischsprachigen Raum, die sich teils humoristisch mit den neuesten Serien auseinandersetzen, oder auch viel Gewicht gewisser  Teilaspekten widmen wie der Handlung und Figuren einzelner Folgen.<\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">Ich will damit nicht sagen, dass ich in Zukunft bewusst englische Blogger nachachmen werde. Daf\u00fcr reicht meine Zeit nicht aus, und meine schriftliche Begabung h\u00e4lt sich f\u00fcr das genaue Beschreiben einzelner Folgen in Grenzen. Was ich eher zum Ausdruck bringen will, ist, dass ich in Zukunft mich wieder vermehrt bewusst mit dem auseinandersetze werde, was ich mir in Sachen Anime auch anschaue, und dass ich daraus gewonnene Einsichten und Meinungen auch st\u00e4rker schriftlich festhalten will. F\u00fcr dieses Vorhaben muss ich meinen Animekonsum auch st\u00e4rker drosseln, damit es auch zu etwas wird, dass sich mit einem anderen Wort beschreiben l\u00e4sst als mit &#8220;Konsum&#8221;.<\/p>\n<p align=\"left\">Weiter f\u00e4llt mir auf, dass ich wieder einmal eine Serie schauen sollte, die sich an ein \u00e4lteres Publikum richtet &#8211; also weg vom Moe-Comedy Allerlei der letzten Zeit. Es wird dringend Zeit, dass mein Kosmos wieder zu <strong><font color=\"red\">brennen<\/font><\/strong> anf\u00e4ngt!<\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/anime_tenchou.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\">Zur guttuenden Abwechslung habe ich mich deshalb dazu entschieden, eine etwas \u00e4lteren Animeserie genauer unter die Lupe zu nehmen. Das w\u00e4re <strong>Patlabor &#8211; The mobile Police<\/strong>.<\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">Zun\u00e4chst mal eine kurze Einf\u00fchrung ins Patlabor-Universum f\u00fcr all diejenigen, die noch nie was von &#8220;Patlabor&#8221; geh\u00f6rt haben: <font color=\"blue\">Mobile Police Patlabor (<font face=\"Verdana\" size=\"2\">??????????<\/font>)<\/font> ist eine der erfolgreichsten Anime-Franchises der sp\u00e4ten Achtziger und fr\u00fchen Neunziger gewesen, die auf einem gleichnamigen Manga von Masami Y\u00fbki basiert und die aus zwei verschiedenen OAV-Reihen, vier Kinofilmen, einer 39-teiligen TV Serie und mehreren Romanen besteht. Die Franchise dreht sich, grob gesagt, um eine kleine Polizeitruppe, die im Tokyo der nahen Zukunft &#8211;  in der grosse Arbeitsroboter namens &#8220;Labors&#8221; im Baugewerbe und im Verkehr eingesetzt werden &#8211; mit ihren eingesetzten Arbeitsrobotern f\u00fcr Recht und Ordnung sorgen. Der Titel &#8220;Patlabor&#8221; ist ein Akronym aus &#8220;Patrol&#8221; und &#8220;Labor&#8221;.<\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_manga.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\">Die einzelnen Teile der Franchise spielen alle im selben Universum ab, k\u00f6nnen aber unabh\u00e4ngig voneinander gesehen werden. Die Reihenfolge besteht wie folgt: Zun\u00e4chst erschien der Manga 1988 im Weekly Sh\u00f4nen Sunday, dicht gefolgt von der ersten siebenteiligen OAV-Reihe (1988-89) unter der Regie von Mamoru \u00d4shii und Szenarist Kazunori It\u00f4. \u00d4shii und It\u00f4 waren auch f\u00fcr die nachfolgenden Spielfilme (1989 &#038; 1993) und der zweiten 16-teiligen OAV-Reihe (1990-92) verantwortlich. Die Regie TV Serie (1989-90), \u00fcber deren ersten paar Folgen ich in der Folge meine Gedanken schreiben werde, \u00fcbernahm Naoyuki Yoshinaga, und um das Drehbuch der einzelnen Folgen k\u00fcmmerte sich jeweils eine andere Person, unter anderem auch \u00d4shii und It\u00f4.<\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">Auch wenn \u00d4shii und It\u00f4 nicht die Hauptverantwortlichen aller Folgen der TV-Serie waren, so f\u00e4llt mir ihr Einfluss sofort auf: Die beiden sind als Duo daf\u00fcr bekannt, dass sie viel Raum f\u00fcr die kleinen Dinge des Alltagsleben geben, mit denen sich eine Figur auseinander setzen muss, was diese wiederum sehr vermenschlicht und realistisch macht. So waren beide etwa massgeblich daf\u00fcr verantwortlich, dass aus dem Comedymanga <a href=\"http:\/\/www.furinkan.com\/uy\/\" target=\"_blank\"><em>Urusei Yatsura<\/em><\/a> von Rumiko Takahashi eine satirisch angehauchten Slapstick-Comedy wurde, die teils gar ins Philosophische abdriftete und \u00fcber die die Fans des Mangas geteilter Meinung sind.<\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_hima.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\">Bei den ersten beiden Patlabor TV-Folgen finden wir das Markenzeichen von \u00d4shii und It\u00f4 wieder: Kleine Nebens\u00e4chlichkeiten werden subtil in die Handlung eingeflochten, was daf\u00fcr sorgt, dass selbst l\u00e4ngere Actionszenen durch die T\u00fccken des Alltags unterbrochen werden. \u00d4shii und It\u00f4 k\u00fcmmern sich weniger um atemberaubende Action als vielmehr um das, was eine Figur realistisch und menschlich macht: Ihre Marotten und der Umgang miteinander. Beide sind am Alltag der Figuren interessiert, nicht an Action. So sieht man z.B. gleich in der ersten Folge Noa Izumi \u2013 die neue Polizistin der Patlabor Brigade 2 \u2013 hinter einem gestohlenen LKW hinterherlaufen bis sie merkt, dass sie diesen zu Fuss unm\u00f6glich einholen kann. Statt jetzt zu zeigen, wie Izumi gleich in ein Auto f\u00fcr die Verfolgungsjagd einsteigt, zeigen uns \u00d4shii und It\u00f4, wie sie ganz zuf\u00e4llig an einem geparkten Roller vorbeirennt und sich dann ganz unbek\u00fcmmert dazu entschliesst, es f\u00fcr die Verfolgung zu entwenden. Sie guckt den Roller an, schnappt ihn sich und entschuldigt sich daf\u00fcr bei der anwesenden Wache, die etwas d\u00fcpiert danebensteht, weil sie auf der Sektion noch nie eine Polizistin gesehen hat, erst recht nicht eine auf Verfolgungsjagd. Die ganze Szene ist kurz, unterbricht jedoch die laufende Actionszene und wirkt auf den ersten Blick zun\u00e4chst &#8220;\u00fcberfl\u00fcssig&#8221;, ist sie aber nicht.<span>  <\/span><\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_nanda.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">Das ist nur eines von vielen Beispielen welches unterstreicht, wie wichtig der Alltag im Patlabor-Universum ist. Ein zweites Beispiel ist Folge 3, in der es haupts\u00e4chlich darum geht, eine Nacht- und Nebelaktion vor dem Chefmechaniker geheim zu halten. Die Polizeibrigade der Sektion 2 und die Mechaniker sind auf einer k\u00fcnstlichen Insel im Hafen von Tokyo stationiert und somit weit weg vom n\u00e4chsten Convinience Store oder Restaurant. Eines ihrer Hauptsorgen ist also, t\u00e4glich ihre M\u00e4gen f\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Die Mechaniker setzen hin und wieder ein Polizeischiff zum Fischen ein, doch in dieser Folge l\u00e4uft das Schiff fast auf Grund, und die Labors m\u00fcssen das Schiff und ihre Fracht retten, was vor dem strengen Vorgesetzten verheimlicht werden muss, der gerade weg von der Station ist, aber jeden Moment wieder mit dem Auto zur\u00fcckkommen kann. Sie versuchen dies ad-hoc, indem sie etwa die Zufahrtsstrasse zur Polizeistation mit einer Strassensperre versehen und mit dem Stau daf\u00fcr sorgen, dass einige Minuten gewonnen werden k\u00f6nnen. Noch einmal, das muss man sich einfach vor den Augen f\u00fchren: Polizisten setzen ihre technischen Hilfsmittel f\u00fcr ihre hungrigen M\u00e4gen ein, und sie versuchen das vor einem Vorgesetzten mit allerlei Mitteln zu verheimlichen. Das ist <strong>Satire vom Feinsten<\/strong>.<\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_fishing.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\">Das zweite was mir bei Patlabor auff\u00e4llt, ist, dass alle Hauptfiguren liebenswerte Erwachsene sind, und das ist wirklich eine willkommene Abwechslung zu all den neueren Animes mit emotional stark gef\u00e4rbten Jugendlichen in der Bl\u00fctezeit ihrer Pubert\u00e4t. Man merkt es der Serie einfach an, dass hier die Zuschauer nicht f\u00fcr dumm verkauft werden, sondern mit intelligenten Skripts bei Laune gehalten werden sollen. Jede der einzelnen Figuren im Patlabor-Universum hat ihre ganz eigenen Charakterz\u00fcge und Schw\u00e4chen, die sie einzigartig machen.<\/p>\n<p align=left>Da w\u00e4re etwa Noa Izumi, die zur Sektion 2 gestossen ist, weil sie Patlabors mag. Sie ist sehr pflichtbewusst und nennt ihren eigenen Labor &#8220;Alphonse&#8221; (so nannte sie mal eines ihrer Haustiere). Sie f\u00fcrchtet sich um jeden Kratzer, den Alphonse bei einem Einsatz abkriegen k\u00f6nnte. Ihr Co-Partner ist Shinohara Asuma, der 24-J\u00e4hrige Spross vom Boss von Shinohara Heavy Industries, einem der weltweit gr\u00f6ssten Fabrikanten von Labors und Zulieferer der SV2-Labors (die von den Polizisten eingesetzten Patrol-Labors). Asuma kennt die ganze Labor-Industrie wie seine Westentasche, und er ist generell ein begnadeter Taktiker f\u00fcr sein Alter. Asuma ist der Kopf des Duo und Izumi dessen Herz. Beide sind im Privatleben kein Paar, doch sie stehen sich sehr nahe. Weiter w\u00e4re da noch Isao \u00d4ta, ein durchgeknallter Waffenfreak, der bei jedem Einsatz unbedingt seine grosse Labor-Wumme einsetzen will und auch sonst lieber mit dem Kopf durch die Wand rennt, oder Shinshi Mikiyasu, ein etwas zur\u00fcckhaltender, scheuer Polizist, der als einziger der ganzen Sektion 2 Polizisten verheiratet ist und deswegen keinen so leichten Stand hat  (seine Frau macht ihm das Leben teils sehr schwer).<\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_eating.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\">Das grosse Highlicht der Serie ist f\u00fcr mich jedoch das Duo Captain Shiichi Got\u00f4 und Captain Shinobu Nagumo. Got\u00f4 ist der Chef der 2.Division von Sektion 2, also der Chef unserer Polizeitruppe, und sieht immer so aus, als w\u00e4re er etwas aus der Rolle. Der gute Herr ist jedoch extrem intelligent und weiss viele Dinge weit im voraus vor allen anderen, was ihm zu einem brillanten Taktiker macht. Manchmal macht er mehr den Eindruck eines gewieften Privatdetektivs als den eines Polizeichefs. Shinobu wiederum ist Captain von Sektion 1 (die wir kaum zu sehen kriegen) und eine k\u00fchle, sehr pflichtbewusste Chefin, die \u00fcber Got\u00f4s unorthodoxe Arbeitsmethoden oft nur den Kopf sch\u00fctteln kann. Wir sehen die beiden in der Serie und den OAVs\/Filmen oft am reden &#8211; das Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden ist voller subtiler Sticheleien und Anspielungen, was ich sehr spannend finde.<\/p>\n<p align=\"middle\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-images\/patlabor_op03.jpg\"\/><\/p>\n<p align=\"left\"> Die Animationsqualit\u00e4t der einzelnen TV-Folgen ist nicht ganz so gut wie die der ersten OAV-Staffel  (man merkt z.B., dass die Schattierungen der Figuren etwas einfacher ausgefallen sind und die verschiedenen Bewegungen auf weniger Cel-Ebenen stattfinden), aber sie ist f\u00fcr eine TV-Serie auch heute noch absolut in Ordnung. Der Animation, Character Designs und Musik merkt man an, dass sie teils von den gleichen Machern wie Urusei Yatsura oder Ranma stammt. Produziert wurde die Serie (wie auch die OAVs und die Kinofilme) von <em>Headgear<\/em>, ein kleines Team rund um Mamoru Oshii und It\u00f4. F\u00fcr die Musik war Kenji Kawai verantwortlich, und seine Vorlieben f\u00fcr Synthi-Streichermelodien erinnern an seinen Arbeiten zu <em>Ranma 1\/2<\/em> und <em>Maison Ikkoku<\/em>. Die Characterdesigns \u00fcbernahm Akemi Takada (bekannt aus Urusei Yatsura, Kimagure Orange Road und Creamy Mami), was man der TV-Serie etwas weniger gut ansieht den OAVs (die TV-Serie lehnt sich stark an die Manga-Vorlage von Masami Yuki an).  Ihre Artbooks zu Patlabor sind \u00fcbrigens g\u00f6ttlich.<\/p>\n<p>Ein Wort noch zum 1.Opening der TV-Serie, &#8220;Sono mama ni kimi de ite&#8221;. Ich mag das Lied sehr. Es ist nicht zuoberst auf meiner Hitliste meiner Alltime Favoriten, doch die Melodie ist ganz nach meinem Geschmack f\u00fcr rockige Poplieder aus den Achzigern\/Neunzigern und in Kombination mit den Bildern gef\u00e4llt es mir noch mehr. <\/p>\n<p align=middle>[youtube yvI6iZXw9Yo]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit ist mir bei meinem Animekonsum ein Verhalten aufgefallen, das mich je l\u00e4nger je mehr st\u00f6rt: In der heutigen Zeit, in der beinahe jeder Anime problemlos runtergeladen oder gekauft werden kann, werden einzelne Animefolgen oder Filme\/OAVs oft unbewusster als zu fr\u00fcheren Zeiten geschaut. 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