{"id":663,"date":"2009-09-18T00:28:53","date_gmt":"2009-09-17T23:28:53","guid":{"rendered":"http:\/\/ani.donmai.ch\/?p=663"},"modified":"2012-05-04T13:08:15","modified_gmt":"2012-05-04T12:08:15","slug":"eigentumliche-animation-bei-urusei-yatsura-episode-149","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ani.donmai.ch\/?p=663","title":{"rendered":"Eigent\u00fcmliche Animation bei Urusei Yatsura"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">In den letzten Monaten schaue ich wieder vermehrt Urusei Yatsura &#8211; \u00fcber die vielen Jahre hinweg gesehen wohl meine grosse Lieblingsserie. Bei Folge 149 bin ich auf eine 25-sek\u00fcndige Sequenz gestossen, die mich zum Nachdenken gebracht hat.<!--more--> Nicht etwa, weil in dieser Einstellung einige M\u00e4dchen beim Umziehen zu sehen sind, sondern weil die kurze Sequenz mit Liebe zu kleinen Details animiert wurde und dadurch viel Bewegtes zu sehen ist. Dass ausgerechnet bei einer solchen Einstellung ein Animator sich etwas mehr ins Zeug gelegt hat als auch schon, sagt schon etwas \u00fcber die Fetischvorlieben dieser Person aus. Oder auch \u00fcber die meinen. Wobei nein, ich schaue hier nur auf die Animation. Ich schw\u00f6rs!<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uvAJkr1i08o&#038;start=439#t=07m18s<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: left;\">Was hier zuerst ins Auge sticht, ist, dass f\u00fcr die Animation mindestens drei bis vier unterschiedliche Ebenen gebraucht wurden, also mindestens 3-4 verschiedene Cels, in denen die Figuren jeweils unabh\u00e4ngig voneinander animiert wurden. Das ist f\u00fcr damalige TV-Verh\u00e4ltnisse eher selten gewesen, aber auch bei sp\u00e4teren TV-Serien sind solche Multi-Cels Szenen rar. Der Hauptgrund ist nat\u00fcrlich der zus\u00e4tzliche Aufwand, der hier anf\u00e4llt. Ein anderer Grund ist aber auch, dass die Hintergr\u00fcnde wegen den mehreren \u00fcbereinander gelagerten Cels Gefahr laufen, zu dunkel zu geraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mir gef\u00e4llt in dieser Sequenz, wie scheinbar \u00fcberfl\u00fcssige Details aus Liebe zu diesen vom zust\u00e4ndigen Animator extra mit eingebaut wurden. So streicht etwa Shinobu sich durch die Haare, nachdem sie ihr T-Shirt angezogen hat (7:45). \u00dcberhaupt ist Shinobu in dieser Einstellung wirklich detailreich animiert, wie sie sich umzieht. Die Animation selber ist nicht wirklich besonders fl\u00fcssig geraten oder von den restlichen Szenen dieser Folge abgehoben, sie ist aber sauber geraten und das, wie gesagt, gleich auf mehreren Ebenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: left;\">Diese eine kurze Sequenz erinnert mich auch an eine Einstellung aus Urusei Yatsura &#8211; <em>Beautiful Dreamer<\/em>, den zweiten Film von UY. Hier sitzen alle Figuren bei den Moroboshis zu Tisch und f\u00fcllen sich den Bauch voll (ein Zeichen, dass der Film von Mamoru Oshii ist: In seinen Serien und Filmen sieht man immer mindestens eine Szene, wo die Figuren beim Essen sind). Shinobu wird w\u00fctend, weil ihr alle zu laut sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=teMP38jvJkc&#038;start=294#t=04m53s<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese l\u00e4ngere Sequenz ist mir schon vor Jahren aufgefallen, einfach weil sie grunds\u00e4tzlich einmal toll animiert ist. Auch hier bewegen sich fast alle Figuren unabh\u00e4ngig voneinander auf mehreren Cels. Zusammen mit dem Durcheinander beim Dialog wirkt die Szene recht nat\u00fcrlich. Es sieht so aus, als ob bei dieser Stelle zuerst die Stimmen der Synchronsprecher aufgenommen wurden, und erst dann im Anschluss diese Sequenz, in etwa analog zu den verschiedenen Stimmen, animiert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich bin mir sicher, dass <em>Moriyama Yuuji<\/em> (Project A-Ko, Agent Aika&#8230;) f\u00fcr diese Sequenz verantwortlich war. Daf\u00fcr spricht die Art und Weise, wie die Figuren aussehen und animiert sind: Sie neigen dazu, recht schr\u00e4ge Grimassen zu schneiden, ihre M\u00e4uler weit aufzureissen und Z\u00e4hne zu zeigen (siehe Shinobu in 5:19). Diese Art von Squash &amp; Stretch-Animationstechnik ist ein stillistisches Markenzeichen von Moriyama, das man auch bei den TV-Folgen beobachten kann, wo er den Posten des <em>Chief Key Animator<\/em> innehatte oder f\u00fcr einige <em>Genga<\/em> (Key Animation)-Sequenzen verantwortlich war.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p>Moriyamas Animationen in Urusei Yatsura sind qualitativ f\u00fcr TV-Verh\u00e4ltnisse hochwertig, aber nicht wirklich auff\u00e4llig. Sie f\u00fcgen sich recht gut in die anderen Szenen der restlichen Animatoren ein. Es gibt in der TV-Serie und den Filmen von Urusei Yatsura jedoch ganz bestimmte Szenen, die eine sehr eigent\u00fcmliche Animation haben. Wenn ihr Szenen seht, wo Figuren pl\u00f6tzlich stellenweise mit \u00fcbertrieben Proportionen gezeichnet sind oder wo sie oft mit den Armen nach oben dynamisch herumrennen, dann stehen die Chancen gut, dass ihr mit der Arbeit von Yamashita Masahito in Ber\u00fchrung gekommen seid.<br \/>\nYamashita Masahito (????) ist ein Sch\u00fcler des k\u00fcrzlich verstorbenen Meister-Animator Kanada Yoshinori und einer der wichtigsten Animatoren der Achtzigerjahre. Sein dynamischer Stil ist unverkennbar und interessant zugleich. Die folgenden drei Minuten sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie Yamashita mit einfachen Tricks f\u00fcr Geschwindigkeit und bizarre Dynamik sorgt.<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZZ0nMM00buw#t=15m14s<\/p>\n<p>Abgesehen von der langen und brillanten Sequenz aus der Sicht des rennenden Ataru (eine Szene, f\u00fcr die Yamashita ziemlich bekannt worden ist; von 16:45 an) mit den vielen Blickf\u00e4ngen, m\u00f6chte ich hier zuerst auf eine Szene am Anfang hinweisen. Der durchgeknallte M\u00f6nch Cherry ist mit feinen Stellen durchzogen, bei denen man auf die hintere Ebene sehen kann (15:37). Diese L\u00fccken in Cherry sind ein optischer Trick, um dynamische Geschwindigkeit zu erzeugen, \u00e4hnlich wie Speedlines inMangas.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein weiteres Markenzeichen von Yamashita ist, dass die Figuren bei ihm selten ruhig und konstant im Bild stehen bleiben, sondern dass sie gr\u00f6sser oder kleiner werden, so als ob die Kamera sich ihnen n\u00e4hern oder entfernen w\u00fcrde. Ein gutes Beispiel seht ihr gleich zu Beginn beim fliegenden Ten-chan oder auch beim seitlich rennenden Ataru. Noch ein weiteres Merkmal ist, wie bereits geschrieben, die verr\u00fcckte Art und Weise, wie er herumrennende Figuren animiert. Bei ihm reissen sie meist ihre Arme angewinkelt in die H\u00f6he, und die Proportionen des K\u00f6rpers wirken oft verzerrt (achtet dabei mal auf die Grossaufnahme von Atarus Beinen). Das alles wirkt so eigenartig bizarr, dass es wiederum lustig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Yamashitas Art und Weise zu animieren ist dermassen eigent\u00fcmlich, dass sie zwangsweise etwas aus dem Rahmen f\u00e4llt. Leider scheuen Produzenten heutzutage davor, solche auff\u00e4lligen Animationsszenen in TV-Serien einzubauen; schon schlicht einmal deshalb, weil heutige Animefans solche Sequenzen meist als schlecht animiert empfinden und lieber einen aalglatten und unauff\u00e4lligen Stil bevorzugen; einen Stil, der nicht vom Restlichen ablenkt (man erinnere sich nur schon an den Aufruhr wegen Folge 4 von Gurren Lagann oder wegen der einen Kampfszene in Birdy the Mighty Decode Episode 7). Doch damals neigte man auch in Mainstream TV-Serien dazu, der Arbeit talentierter Animatoren gegen\u00fcber aufgeschlossen zu sein. Mamoru Oshii zollte Yamashita in Beautiful Dreamer insofern Respekt, als dass er diesem gleich die Animation der ganze Spukszene in der Schule \u00fcberlassen hat. Ohne Yamashitas Talent w\u00e4ren die folgenden Minuten niemals so wirkungsvoll geraten, wie sie es nun sind. Hier f\u00e4llt auch auf, wie Yamashita Schatten- und Lichteffekte animiert. Er bevorzugt f\u00fcr das Licht und die Schatten stark quadratische und zergliederte Formen. Bei ihm spielt als Spiel der Formen eine noch gr\u00f6ssere Rolle als m\u00f6glichst lebensnaher Realismus. Dadurch zieht er die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf seine Arbeit, was bei sonstigen Effekten weniger der Fall ist.<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O7j0g-N6L20&#038;start=120#t=01m38s<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zum Abschluss ein paar Szenen, die nicht durch gute Animationen oder Formenspiele gl\u00e4nzen, sondern einfach nur lustig oder auch psycho sind. Lum trainiert, um auf nat\u00fcrliche Art und Weise einen \u00fcberm\u00e4chtigen Gegner in einem Duell schlagen zu k\u00f6nnen. Und im zweiten Ausschnitt realisiert Lum mit Horror, dass sie sich noch immer in einer Parallelwelt befindet, weil ihr Darling darin der <em>perfekte<\/em> Lover ist (eine Folge mit Moriyama Yuuji als Chief Key Animator).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das erinnert mich daran, dass Lum und die anderen Figuren im Verlauf der Serie nach und nach realistischer portraitiert wurden, insbesondere Lum: War sie am Anfang noch ein aggressives Huhn aus dem All, die an Ataru wie eine Klette hing &#8211; halt eine recht eindimensionale Comedy-Figur-, so \u00e4nderte sich ihr Charakter in den ersten zwanzig Folgen zun\u00e4chst einmal radikal. Sie wurde zunehmend lieblich dargestellt, wurde in die selbe Klasse wie Ataru eingemustert, und in sp\u00e4teren Folgen erhalten wird auch ruhige und bitters\u00fcsse Szenen, in denen wir einen tieferen Einblick in ihre Seele erhaschen k\u00f6nnen. Sie ist eine (fliegende) Fantasyfigur, die zunehmend aus den L\u00fcften auf den Boden der Realit\u00e4t gezogen wurde &#8211; Oshii sei dank.<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eh4LZMcd3xU&#038;start=212#t=03m26s<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?feature=player_embedded&#038;v=zfbHXselJAY#t=19m50s<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Monaten schaue ich wieder vermehrt Urusei Yatsura &#8211; \u00fcber die vielen Jahre hinweg gesehen wohl meine grosse Lieblingsserie. 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