Shoujo-Manga goes Otaku-Culture: Ani-Com

Bloged in Manga by Ataru Tuesday September 26, 2006

Wie ich im vorletzten Eintrag versprochen habe, schreibe ich was über den Shoujo-Manga Ani-Com von Yabuuchi Yuu. Beim durchstöbern von Amazon und Bk1 ist mir gleich das Cover und der Titel Ani-Com aufgefallen, eine Abkürzung von „Aniki Complex.“ Ein Shoujo-Manga mit einem Titel, der Gewagtes assoziieren lässt? Holà…. Was der wohl verspricht? Die Kurzbeschreibung auf Amazon klang jedenfalls gut und die ersten Reviews von japanischen Kunden loben das neuste Werk von Yabuuchi Yuu.

Yabuuchi Yuu ist keine Unbekannte in Japan. Ihr Debut als Profi liegt über 20 Jahre zurück. Sie ist vor allem für die Serie Mizuiro Jidai bekannt, die das Schul- und Liebesleben eines Mädchens von der Grundschule an bis in die Junior High protraitiert und die sie zu Beginn der Neunziger für das Magazin Ciao gezeichnet hatte (Reihe „Flower Comics“). Letztes Jahr machte eine Meldung die Runde, dass der erste Band ihrer neuesten Serie Naisho no Tsubomi auch besonders gerne von erwachsenen männlichen Otakus gekauft wurde – was kein Wunder ist, da Yabuuchi den Figuren ihrer Geschichten ein klares Bewusstsein für das Thema Sex gibt und die damit verbundenen Änderungen und Ängste im Leben von Teenagerinnen behandelt, was im Genre der Shoujo-Manga für junge Leserinnen doch eher unüblich ist.

In Ani-Com Band 1 dreht sich die Handlung um die 15-Jährige Maaya Shinonome (Spitzname Maachi, das für „March“ steht). Sie ist in ihren zwei Jahre älteren Bruder Riichi Shinonome verliebt. Riichi sieht gut aus, ist begabt für Sport und nett im Umgang mit seinen Mitmenschen. Kurzum, er ist ein attraktiver Junge. Und er ist mit Maaya nicht Blutsverwandt Trotz all dieser Punkte, die ihn zum idealen Boyfriend für Maaya machen würden, hat er aber ein grosser „Makel“: Er ist Anime- und Manga-Otaku. Das stresst Maaya, weil sie sich der weitverbreiteten Vorurteile über Otaku bewusst ist und nicht will, dass er in der Schule von anderen gekränkt wird. Um ihren Bruder vor Vorurteilen zu beschützen, besteht Maaya darauf, dass er sein Hobby vor anderen geheimhält.


Das Geheimnis zwischen den beiden Geschwistern fliegt jedoch auf, als eine Klassenkameradin von Riichi auf sein Hobby aufmerksam wird. Nishizono Mei heisst die Schülerin. Sie ist selber auch ein Otaku und sehr froh, in der Schule einen Artgenossen gefunden zu haben. Maaya verfolgt mit Sorge die wachsende Freundschaft zwischen Riichi und Mei – sie sieht in der niedlichen Mei eine echte Rivalin um die Gunst ihres Bruders. Um mit den beiden die gemeinsame Freizeit zu verbringen, lässt sich Maaya von Mei gar fürs Cosplay überreden. So kommt es, dass Maaya allmählich in die Kultur der Otaku eintaucht.

Anders als in Mizuiro Jidai oder Naisho no Tsubomi dreht sich die Handlung bei Ani-Com weniger ums Thema von Erfahrungen mit Sex. Es scheint beim ersten Durchlesen so, als ob Yabuuchi Yuu sich dem Thema Otaku widmen will, das dank des letztjährigen Erfolgs von Train Man angesagt ist. Sie verbindet dieses Thema gekonnt mit dem gängigen Tabuthema der Geschwisterliebe und sexueller Identität. Diese Mischung wäre in einem Manga für männliche Mangafans nicht sonderlich speziell, wo das Gewicht vor allem auf Fanservice liegen würde– im Feld von Shoujo-Manga hingegen ist eine solche Mischung einzigartig. Mir ist jedenfalls kein anderer Titel bekannt, der sich dem Thema Otaku widmet und der in einer Shoujo-Zeitschrift für Schülerinnen im Grundschulalter publiziert worden ist. Vielleicht unterschätze ich Shoujo-Manga für junge Leserinnen ein wenig: Im ersten Band der Serie Super Gals von Mihona Fujii etwa praktiziert eine der Hauptfiguren zunächst Enjo Kosai (bezahlte Geselligkeit) mit älteren Männern. Das wird zwar von der Heldin Ran Kotobuki kritisiert und als schlecht gesehen, doch das dieses kontroverse Thema überhaupt in einem Manga für Leserinnen im Grundschulalter auftaucht, das hat mich doch ziemlich überrascht.

Zurück zu Ani-Com. Die Handlung des Manga liest sich sehr leicht und die Zeichnungen sind für dieses Genre in Ordnung. Mehr noch: Die Zeichnungen sind stellenweise sehr lustig geraten, weil Yabuuchi oft auf den Zeichenstil des Superdeformed zurückgreift und so die Reaktionen der Figuren, insbesondere die von Maaya, überzeichnet darstellt. Wenn die Figuren nicht gerade eine Fratze ziehen, sind sie sehr niedlich gezeichnet. Ich komme nicht darin umhin zu glauben, dass Yabuuchi neben Grundschülerinnen insgeheim auch ältere (männliche) Mangafans ansprechen will. In meinem Fall ist es ihr auf jeden Fall gelungen.

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