Aktuelle Serien: Was sich zu Gucken lohnt (Teil 2)

Bloged in Anime by Ataru Tuesday July 10, 2007

Bald zwei Monate ist es her seit meinem letzten Eintrag. Ich muss zugeben, dass ich kein fleissiger Blogger bin und verspreche Besserung. Wobei, den Rhythmus eines Meidocafé kann ich nicht einhalten – wie macht Melonpan das nur? ô_ô;

Fortsetzung vom letzten Blogeintrag: Welche aktuelle Anime-Serien kann ich persönlich empfehlen und aus welchem Grund? Diesmal gehe ich neben einer Serie für Otakus ein wenig ins Shônen- und Shôjo-Gefilde rein und zeige auf, wie man auch problemlos Spass an Serien haben kann, die für ein weit jüngeres Publikum als einen selber gedacht sind (als ob das ja was Neues wäre ;->). Zunächst aber eine kleine Mitteilung betreffend der neuen Gainaxserie Tengen Toppa Gurren Lagann.

Die Serie hat sich von Anfang an kontinuierlich gesteigert und was in Folge 8 geschehen ist, war aus den vorausgegangenen Geschehnissen und bisherigen Figurenbeziehungen zwar vorauszusehen gewesen, nichts desto trotz kommt die Serie dadurch zu einem ersten richtig spannenden und tragischen Höhepunkt. Was die Zuschauer dort zu sehen kriegen ist das beste, was Gainax seit Jahren vom Stapel gelassen hat. Seither ist mit Nia eine weitere interessante Figur zur Gallerie der illustren Charaktere hinzugestossen, und Simon steigert sich von Folge zu Folge immer mehr zum eigentlichen Anführer der Gurren-Lagann Truppe. Mein Fazit der Serie bisher : Sehr empfehlenswert!

Mir wurde gesagt, mein Bewertungssystem sei zu kompliziert um es sich zu merken und ich müsste was Einfacheres einführen. Dem stimme ich zu, aber aus Faulheit und Zeitmangel greife ich per Copy & Paste ein weiteres und letztes Mal auf dieses System zurück. Bei zukünftigen Reviews werde ich auf ein klassischeres Schema zurückgreifen, das man auch ohne einen ständigen Rückgriff auf die Legende verstehen kann.

Bewertungsschema:

*: ganz ok, **: unterhaltsam, ***: Muss man gucken
a: Gute Animation m: Gute Musik hi: Gute Hintergründe
g: Gute Geschichte/Handlung f: Interessante Figuren
h: Humor/durchgeknallt s: spannend Me: Melodramatisch ni: niedlich
n: Nostalgie-Faktor x: gewaltätig +: ausgezeichnet (z.B. m+ = ausgezeichnete Musik)

Lovely Complex: **, h f

Was tun, wenn die heimliche Liebe glatte 14 cm kleiner als einen selber ist ? Diese Frage stellt sich Risa Koizumi, die mit 1.70 M für japanische Verhältnisse eine recht grossgewachsene 16-jährige Schülerin ist. Sie hat sich in den kleinen Atsushi Ôtani verliebt. Bevor Risa sich diese Frage stellt, braucht Risa jedoch eine ganze Weile bis sie überhaupt begreift, dass sie in Ôtani verliebt ist. Ist diese Sache einmal geklärt, stehen der grossen Liebe noch gesellschaftliche Vorurteile und ihre bisherige Beziehung im Weg. In einer Paarbeziehung hat der Mann grösser zu sein als die Frau, so sieht das Vorurteil aus. Hinzu kommt noch Ôtanis Stumpfsinnigkeit: Obwohl beide sowohl von ihren Vorlieben als auch vom Charakter her hervorragend zusammen passen, schnallt der gute Kerl einfach nicht, dass Risa ihn ihn verliebt ist. Er sieht sie bloss als gute Klassenkameradin, mit der man Pferde stehlen kann, und als Manzai Comedy-Partner.

Basierend auf dem Shoujo-Manga Love Con (ラブ★コン – Margareth Comics, 16 Bände) von Aya Nakahara spielt die Comedy-Soap Lovely Complex im heutigen Osaka. Alle Figuren sprechen aus diesem Grund den Kansai-Dialekt, was für eine Anime-Serie eher selten ist (bisher sind mir diesbezüglich lediglich Jarinko Chie und Tensai Bakabon bekannt). Die Handlung von Lovely Complex ist nichts Neues oder Besonderes für den Shoujo-Bereich: Mädchen verliebt sich in einen Jungen, der das zunächst noch nicht schnallt. Die Animation ist für TV-Verhältnisse guter Durchschnitt mit einiger für jede Folge witzig animierten Sequenzen. Die Hintergrundmusik fällt nicht wirklich auf, sondern erfüllt ihren primären Zweck, das Geschehen zu akzentuieren. Es sind also weder die Handlung noch der künstlerische und technische Aspekt, für die sich das Verfolgen der Serie lohnen. Der grosse Charme bezieht die Serie vielmehr aus dem Duo Koizumi/Ôtani, das ziemlich sympathisch daherkommt. Die beiden streiten sich ständig und trotzdem gehen beide nie wirklich boshaft miteinander um. Ihr Verhalten entspricht dem Sprichtwort “was sich liebt, das neckt sich”. Wer auf witzig erzählte Soaps mit einer solchen Prämisse steht, der sollte Lovely Complex eine Chance geben.

Momentanes Fazit: Lovely Complex ist ein feiner Zitronenkuchen, an dessen genüsslichen Geschmack man sich auch später noch erinnert.

Von Lovely Complex existiert auch ein Realfilm, der jedoch nur bedingt empfehlenswert ist. Die Schauspieler passen ihrem Aussehen nach sehr gut zu den verschiedenen Figuren des Manga, die Handlung ist jedoch bloss ein Versatzstück der besten Szenen und die Schauspieler übertreiben es mit ihrem Mienenspiel oft zu stark. Eine Dorama-Serie wäre die bessere Wahl gewesen.

Dennou Coil: ***, a+ f+ g s

Das ist sie, die bisher eindeutig beste Anime-Serie des Jahres: Sehr originelle Handlung, spannende Geschichte, lustige Figuren und meisterhaft animiert. Das alles spricht für Dennou Coil. Die Serie entspringt der Kreativität von Animator Iso Mitsuo, der bekannt ist für Szenen aus End of Evangelion, FLCL, Only Yesterday, RahXephon und weiteren Animes. Dennou Coil ist die erste Serie, bei der er sowohl für die Zeichentrick-Animation zuständig ist, als auch die Regie des gesamten Projekts übernimmt. Produziert wird die Science Fiction-Serie für das Kinder- und Familienprogramm des Staatssenders NHK. So sind auch Kinder die Hauptfiguren des Anime.

In der nahen Zukunft umspannt ein elektonisches Netz, das dem heutigen Internet ähnelt, unsere erfahrbare Welt und existiert neben ihr als alternative elektronische Realität. Dank besonderen Brillen kann man in dieser elektronischen Realität Dinge sehen und berühren, die sonst unsichtbar sind. Die Handlung spielt in der fiktiven Stadt Daikokushi, die zum Zentrum der Entwicklung dieses elektronischen Netzes geworden ist. Die junge Schülerin Yûko Ônogi zieht mit ihrer Familie nach Daikoku und erlebt gleich am ersten Tag wunderliche Dinge. Das Netz in Daikoku enthält viele Schlupflöcher für Viren und ist auch ein beliebtes Tummelfeld für Kids, die auf dem neuesten Stand der Technik sind und sich ins Netz hacken. Yûko lernt die gleichaltrige Fumie Hashimoto kennen, die ein Mitglied der Coil Cyber Agentur für Untersuchungen ist, eine Art Detektiv-Agentur für Angelegenheiten, die das elektronische Netz betreffen. Die Agentur wird von Yûkos Grossmutter geleitet, die eine vorzügliche Hackerin ist und auch ein Laden für Brillen betreibt, mit denen man die elektronische Realität wahrnimmt und mit ihr in Kotakt tritt. Gleich am ersten Tag macht Yûko einiges mit Fumie durch: Yûkos elektronischer Hund ist verschwunden und läuft Gefahr, von einem unbekannten Virus infiltriert zu werden. Auf der Suche nach ihm machen die beiden Bekanntschaft mit den “Satchis”, elektronisch gesteuerte Antiviren-Programme, die wie überdimensionale rote Kugeln samt Smiley-Gesichter aussehen. Und das ist erst der Anfang…

Dennou Coils Charme ist nicht einfach zu erklären. Zum einen glänzt die Serie mit ihrem ungeheuren Einfallsreichtum. Die vielen Details füllen die Welt aus und hängen logisch zusammen. Auf die Idee eines elektronischen Netzes mit allerlei kuriosen Geschöpfen und Antiviren-Programme als Wächter muss man zuerst einmal kommen. Zum anderen sind die Figuren vielschichtig und ihre Animation köstlich. Überhaupt ist die Qualität der Animation für eine TV-Serie sehr hoch. Wenn die Figuren z.B. herumrennen und anhalten, so wird das nicht nur mit vielen Einzelschritten animiert, sondern auch mit einem sehr guten Gespür für menschliche Bewegungen. Anders als bei herkömlichen TV-Animes wirken die Figuren in Dennou Coil so, als ob sie ein wahres Körpergewicht hätten. Wenn zu Beginn der zweiten Folge Fumie, mitten auf der Flucht vor einem Satchi, plötzlich auf der Strasse anhält um sich zu orientieren, so verlagert sie ihr Gewicht unruhig hin und her, was ihre Unsicherheit unterstreicht, wohin sie und Yûko weiterrennen sollen.

Man merkt es dieser Serie an, dass hinter ihr wahre Könner in Sachen Zeichentrick-Animation stecken. Mitsuo Iso ist bekannt dafür, dass er in die vom ihm betreuten Animationssequenzen nur Genga zulässt, was Schlüsselbilder einer Animationssequenz sind, und keine Dougas, was die üblichen “Füllbilder” zwischen zwei Schlüsselbilder sind und die normalerweise den Löwenanteil der einzelnen Animebilder ausmachen. Auf diese Weise behält Iso eine grösstmögliche Kontrolle über die Qualität der Animation. Wie gesagt, das merkt man hier dieser Serie einfach an.

Damit die Figuren aufwendig animiert werden können, sind ihre Character Designs vereinfacht, besonders die der jungen Kinder, und sie kommen mit wenigen Farben und einer gleichmässigen Kontur aus. Damit mögen somit auf den ersten Blick etwas komisch wirken, vor allem dann, wenn man an herkömmliche Anime-Character Designs gewohnt ist. Mich stören diese Designs jedoch überhaupt nicht, ich mag sie sehr. Die hohe Qualität der Serie zusammen mit der “My Pace”-Handlung, den Figuren und den liebenswerten Kreaturen erinnern ein wenig an Miyazakis Totoro. Dennou Coil scheint fast eine Art Cyber Totoro zu sein.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert. Wer die Serie verpasst, ist selber schuld. Dennou Coil ist ein wahres Gourmet-Menu, das im Gault Millau der Anime-Feinschmecker hineigehört.

Lucky Star: *, a h ni

Über Lucky Star muss ich wohl nicht viel schreiben. Die Serie ist in den letzten drei Monaten einer der beliebtesten und am meisten verfolgten Fansubs geworden. Basierend auf den gleichnamigen 4-Panel Comic von Yoshimitsu Kagami “erzählt” Lucky Star den Alltag von vier Oberschülerinnen, die in Sachen Charakter unterschiedlicher nicht sein können. Da gäbe es zunächst die eigentliche Heldin des Anime, Konata Izumi, ein krasser Otaku und gutes Beispiel für eine “My Pace”-Person (sie geht ihrem eigenen Rhythmus nach und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen). Konata sieht die Welt durch ihre Otaku-Brille. Ihre ganze Orientierung richtet sie nach Konzepten, die sie aus der Welt der Animes, Videogames und des Internets kennt. Dennoch und vielleicht gerade deswegen ist sie ein brillianter Kommentator der Geschehnisse.

Als zweites wäre da Tsukasa Hiiragi, eine niedliche und freundliche Schülerin, die etwas unbeholfen ist. Sie ist nicht so gut in der Schule und sonst nicht gerade schlau, dafür kann sie umso besser Kochen. Tsukasa ist die jüngere Zwillingsschwester von Kagami Hiiragi, eine kleine Streberin und sehr gewissenhafte ältere Schwester. Tsukasa kommentiert ständig Konatas Sprüche und spielt somit beim Duo der beiden die Rolle des Tsukkomi (siehe Manzai-Humor). Neben ihrer harten Schale und ihrer leichten Agressivität hat Tsukasa auch einen weichen Kern, was sie zu einer “Tsundere”-Figur macht, ein beliebter Fetisch für Otakus. Ohnehin entsprechen alle Figuren in Lucky Star gewissen Fetischen, so auch die vierte und letzte Schülerin Miyuki Takara, die das Klischee der grossbusigen Brillenträgerin erfüllt. Miyuki ist wohlerzogen und aus reichem Haus. Sie hilft ihren Klassenkameradinnen gerne bei den Aufgaben und weiss sonst jede menge Sachen, was sie zu einem wandelnden Lexikon macht.

Eine eigentliche Handlung über mehrere Folgen gibt es in Lucky Star nicht. Die einzelnen Folgen drehen sich um Konzepte, die den Otakus bekannt sind und ihre Herzen höher schlagen lassen. So spielt eine Folge z.B. am Strand ab, was an sich bereits ein Klischee ist. Dort werden nicht nur auf selbstreflexive Art und Weise Bikinis und Körbchengrösse besprochen, sondern auch triviale Sachen, wie es sich z.B. anfühlt, wenn man mit einem nassen Badeanzug samt Sand am Hintern auf einer Bank Platz nimmt (brrr, schauder). In einer anderen Folge gehen die Schülerinnen zu Konata auf Besuch und machen dort Bekannschaft mit ihrer Manga- und Figurensammlung.

Die Serie lebt von ihren zahlreichen Anspielungen, die nur von einem Kennerpublikum verstanden werden können ( bevorzugt von Kennern der Animes aus dem Studio Kyôto Animation und von Videogames-Experten), und sie ist sehr selbtreflexiv. Lucky Star ist damit das ziemliche Gegenteil von Azumanga Daiou – eine Serie, die zwar mit einigen Otaku-Konzepten aufwartet, jedoch von einem breiten Publikum verstanden werden kann. Einige Anspielungen in Lucky Star sind dermassen gut versteckt, dass man gleich dreimal hinschauen muss, um sie zu entdecken. So hält in einer Folge etwa Konata mehrere Bonuskarten in der Hand, die auch wirklich existieren (eine Karte für die Tora no Ana-Filiale, eine für den Animate…). Für Kenner ist Lucky Star somit eine wahre Freude, sofern man auch auf eine eigentliche Handlung verzichten kann. Die Serie glänzt weiter auch mit einem witzig animierten Opening samt eines fetzigen Poplieds. Die eigentliche Animation der Serie ist auch überdurchschnittlich gut geraten, auch und vielleicht gerade wegen den vereinfachten und niedlichen “Dating Sim”-Character Designs. Ab und zu wartet die Serie auch mit ungewöhnlichen und detailierten Animationssequenzen auf, die für eine gewisse Experimentierfreude der Macher spricht.

Die Designs und die allgemeine Niedlichkeit von Lucky Star mögen nicht jedermanns Sache sein. Man muss den Machern jedoch auch zugute halten, dass die ganze Serie sowohl im Inhalt als auch in der Aufmachung sehr konsistent ist. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass hinter Lucky Star dasselbe Studio steckt wie beim letztjährigen Animehit The Melancholy of Suzumiya Haruhi. Wer sich dennoch zu stark langweilt, für den gibt es am Ende jeder Folge auch den “Lucky Chanel”, eine Moderatorenshow, die eine zusätzliche Kommentarfunktion zum Anime übernimmt. Der Star dort ist Akira, ein abgeklärtes und abgehalftertes Idol, die auf niedlich tut. Ihr Partner ist Shiraishi, ein Mister Nobody, der ziemlich schwer unter Akiras Launenhaftigkeit leidet. Irgendwie muss einem der arme Shiraishi Leid tun – er wird von Akira wie der letzte Dreck behandelt.

Bisheriges Fazit zur Serie: Bedingt empfehlenswert. Lucky Star ist wie ein feines Aloe Vera Yogurt; etwas, das man bei leichter Langeweile geniesst, dessen indivueller Geschmack man später jedoch schnell wieder vergisst.

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