Umzug(I) & Manga Review: Makanai Komusume

Bloged in Manga,Nörgel-Salon by Ataru Thursday March 19, 2009

Nächste Woche werde ich umziehen – in eine freigewordene Wohnung im selben Gebäude (lucky me). Jetzt habe ich begonnen, meine Manga-Sammlung in Kartons zu verpacken. In den Bücherregalen sieht eine Sammlung wie meine nicht so umfangreich aus, aber wenn man sie wieder einpacken muss, zeigt sich schnell, wie viel Volumen alle Bände einnehmen. Besonders dann wenn man wie ich teils völlig vergessen hat, dass die Regalbretter bisher doppelt besetzt waren. Nimmt man eine Reihe Mangas raus, taucht dahinter eine zweite auf… (“Oh, diese Bände habe ich vor 5 Jahren das letzte Mal gesehen.“) Leere Schachteln sind also schnell mal Mangelware. Und der freie Platz, wo ich meine Schachteln bis zum Umzug bereitstellen kann, der muss auch noch gefunden werden.

Trotz dieser akuten Platzprobleme habe ich kürzlich das Bestellen neuer Mangas einfach nicht unterlassen können. Gut, das letzte Mal, als ich aus Japan Mangas bestellt habe, ist schon über ein Jahr her, aber trotzdem… ich Trottel muss jetzt also Raum für 21 neue Bände schaffen.

Wenn wir schon bei Mangasammlungen und Platzprobleme sind: Wie löst ihr eure Platzprobleme? Könnt ihr euch von alten Bänden trennen, die ihr vor vielen Jahren das letzte Mal wirklich gelesen habt? Das Zweite kann ich nicht, dazu bin ich ein zu grosser Sammler. Beim Anblick meiner alter Shounen-Mangas auf Französisch denke ich mir z.B., die könnten mir eines Tages von Nutzen sein, wenn ich etwa über die Entwicklung des Manga-Markts in Frankreich etwas schreiben möchte. Oder bei einzelnen Shounen- und Seinen-Manga auf Japanisch denke ich mir, die könnte ich irgend eines Tages in meinem Blog oder woanders näher vorstellen, so wie ich das hier oder auf meiner alten Homepage gêtan habe. Stattdessen fristet etwa die Hälfte meiner Bände ein eher tristes Dasein in den hinteren Regalreihen oder verpackt in Kartons im Kellerabteil, und, während sie allmählich vergilben, warten sie auf bessere Zeiten.

Heute sind zwei der 21 neuen bestellten Mangas angekommen. Beim einen Band handelt es sich um ein Geschenk für einen meiner Mitleser, deshalb halte ich den Titel geheim. Der zweite Manga ist Makanai Komusume (Reihe Dengeki Comics EX) von Kotani Ataru.

In Makanai Komusume (“das kochende Hausmädel”) dreht sich die Handlung um eine Teenagerin, die eine Stelle als Haushälterin bei einer jungen Schriftstellerin annimmt. Das Mädel heisst Yamanaka Chieko, kommt vom Land, sieht so jung und klein aus wie Kind im Kindergarten und trägt bizarrerweise Hundeohren. Wieso sie solche Schlappohren trägt, weiss keiner. Wieso eine so jung aussehende Frau (eigentlich ist sie…17) alleine in die grosse Stadt gezogen ist um als Haushälterin zu arbeiten, erklärt die Handlung auch nicht. Wie dem auch sei, Chieko arbeitet mit vollem Elan und ist auch unendlich glücklich, als sie ihren ersten Lohn erhält. Sie freundet sich nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Schriftstellerin Yanagisawa Sanae an, die Chieko ursprünglich gar nicht angestellt hat. Dahinter steckt Sanaes Tante Haruko, die sich nebst der Familie auch um ein Restaurant kümmern muss. Weil Tante Haruko sich nicht gleichzeitig ums Geschäft und den Familienhaushalt kümmern kann, hat sie also Chieko angestellt. Die hat im Haus viel zu tun. Das japanische Klischee will es halt, dass Schrifsteller (oder Mangazeichner) schlampige häusliche Angewohnheiten haben.

Im ersten Kapitel sieht es zunächst so aus, als ob Chieko ihre Stelle gar nicht annehmen kann, weil sich bereits jemand um die Schriftstellerin kümmert. Dieser jemand ist ein gutaussehender und netter Mann mit … Katzenohren und einem Schwanz. Er heisst Taro und war einmal ursprünglich Sanaes Kater. Was das nun wieder soll, verrät die Handlung bislang ebenfalls nicht. Auf jeden Fall lebt dieser hübsche Mann mit Sanae und und Chieko zusammen und sieht so gut aus, dass nicht nur sämtliche Hausfrauen in der Gegend offen für ihn schwärmen, sondern auch Sanae und Chieko. Taro ist auch sehr gutherzig, weil er z.B. im Schrank schläft und so Raum für Chieko schafft, damit sie in der Ecke des Wohnzimmers Platz für einen Futon und einen Tisch hat.

Taro ist nicht die einzige Person, mit der Chieko Bekanntschaft macht: In einem Buchladen begegnet sie zum ersten Mal dem Sohn von Tante Haruko, Midori, ein Schüler der sechsten Klasse. Midori hat einen so frechen Mund wie es sich für solche waschechten “Shounen” gehört, und er glaubt irrtümlich, dass Chieko jünger ist als er selbst. Er ist richtig geschockt als er an Chiekos Geburtstagsfeier erfährt, dass sie 17 ist.

Gut, ich fasse kurz zusammen: Eine Siebzehnjährige, die wie sechs aussieht und Hundeohren trägt, lebt und arbeitet bei einer jungen Schriftstellerin, die auf Groschenromane spezialisiert ist. Die dritte Person im Haushalt ist ein Ikemen (Mann mit hübschen Gesicht), der eigentlich ein Kater ist. Dann kommt noch eine hübsche Tante hinzu, die in ihrer eigenen Welt lebt und ihr rotzfrecher Junge mit weichem Kern. Gut, nun die alles entscheidende Frage: Hat es überhaupt eine fortschreitende Handlung?

Eigentlich nicht. Die Handlung besteht aus kurzen Episoden aus Chiekos Alltagsleben, angereichter mit einem 4-Panel Gag am Ende jedes Kapitels. Wir lernen Chieko als etwas schüchterne und sensible, aber sehr treue und fleissige Hausdienerin kennen, die keiner Fliege was antun würde. Sie ist mal schmollend, mal etwas weinerlich oder trotzköpfig (vor allem dann, wenn sie für eine Grundschülerin gehalten wird), aber stets lieb. Dasselbe trifft auch auf die anderen Figuren zu: Sie haben alle einen verflucht lieben Kern. Nur Taro durchbricht das ganze natürliche Nettsein, weil er, besonders gegenüber Damen, berechnend supernett sein kann – dann bringt er den verführerischen Casanova stets zum Besten und Lacher sind damit garantiert (“Tante Haruko, zum Geburtstag schenke ich Ihnen ….meine Person! Wenn Midori mal auf Schulreisen ist und Sie sich Zuhause einsam fühlen, dann bin ihr stets ihr Gesprächspartner” …..oha, O_ô). Und da haben wir das eigentliche “Problem” des Mangas, wenn es überhaupt als eines gelten sollte: Alle sind lieb und nett zueinander. Es gibt kaum Konflikte. Nicht, dass welche wirklich nötig wären, aber die sind für eine weiterführende und etwas tiefgründige Handlung letztendlich doch unentbehrlich. Makanai Komusume will jedoch nicht tiefgründig sein, sondern seine Leser in einer Tonne Lieblichkeit und Niedlichkeit quasi ersaufen lassen. Schon der Zeichenstil ist sehr “nett” und shoujo-haft ausgefallen. Die Aufteilung der Panels und die spärlichen, meist funktionalen Hintergründe erinnern definitiv an Shoujo-Manga. Wir haben hier einen nahezu perfekten Manga für Musestunden, in denen man seinen Kopf am liebsten abschalten möchte und sich an einer petite femme mit Schlappohren erfreuen können.

Hinter dem Manga steckt eine Autorin mit dem Pseudonym Kotani Ataru (früher nannte sie sich Zachio). Kotani Ataru war bislang ausschliesslich als Doujinshi-Zeichnerin aktiv. Eine ihrer fortlaufenden Doujinshi-Geschichten wurde vor kurzem als einzelner Band veröffentlicht. Makanai Komusume ist ihre erste Fortsetzungeschichte für eine Manga-Zeitschrift namens Sylph und somit auch ihr erster wirklicher Manga.
Sylph ist eine 2-Monats-Zeitschrift, die ursprünglich Ende 2006 als vierteljährliche Sondernummer zur heute eingestellten Dengeki Comic Gao!-Zeitschrift gedacht war und heute beim Verlag MediaWorks als eigenständige Zeitschrift gesehen wird. Der Slogan von Sylph lautet “kyun moe – tokimeki otome comic”, was übersetzt werden kann mit “herzergreifendes Moe – aufregende Mädchencomics”). Es ist eines dieser Manga-Zeitschriften, die Crossover Appeal haben, will heissen, die Zeitschrift soll als “Shoujo Manga”-Magazin sowohl weibliche wie auch männliche Fans ansprechen – etwa wie die Zeitschrift Comic High ( Kodomo no Jikan, Hitohira, Girls High…), nur nicht ganz so stark für Männer aufgemacht. Dementsprechend gibts einerseits zwar viel rosa Farbe auf dem Cover zu sehen und in den einzelnen Geschichten Bi-Shounen mit verführerischen Augen und knackigen Hintern, aber man kann dank dem “moe”-Appeal von Figuren wie Chieko als männlicher Leser durchaus auch einen Zugang zu den sanften Geschichten haben, ohne gleich abgeschreckt zu werden.

5 responses to “Umzug(I) & Manga Review: Makanai Komusume”

  1. avatar seto says:

    und ich dachte immer ikemen übersetzt man einfach mit “playboy”. dabei steckt ja sogar das gesicht (men/面) im wort… hätte ich mir eigentlich denken können.

    aber zum thema: du elender lolicon du! :)
    ich gebe ja zu, moe ist sie schon. aber ich finde auch so etwas moe: http://danbooru.donmai.us/data/848732206aa9d3037799201949c341e2.jpg
    und so etwas: http://danbooru.donmai.us/data/a8eaa358e6b8002a02b6e7f7b44e6af8.jpg
    das ist das schöne daran, ein otaku zu sein. unmögliche sexuelle fantasien ohne reue!

    übrigens konnte ich mich zuletzt durchringen, endlich alle regale einzuräumen und endlich den aktenschrank, der schon viel zu lange unnötig platz wegfrisst sinnvoll einzubauen. nun ist das halbe zimmer leer – und ich habe wieder mehrere regale frei zum mit den neusten yuri- und ero-manga bestücken.
    nun frage ich mich, ob ich in zukunft überhaupt noch bei amazon bestellen soll. die versandkosten sind überteuert, und 成年 wollen sie mir partout nicht schicken. ausserdem ist ihr bestellsystem kaputt. wenn man nicht aufpasst bekommt man bücher plötzlich doppelt. oder nochmals. natürlich muss man auch dafür bezahlen.
    kennt jemand eine alternative?
    das sortiment von amzon ist jedenfalls unübertroffen…
    ein internationales dmm wäre übrigens auch nicht schlecht.

  2. avatar fyl says:

    kono kimoi kusomoerorifetihentaime! ;D

  3. avatar Ataru says:

    @Seto

    “Ikemen” kann man auch auf sich selber beziehen, indem man meint, man stehe (nur) auf gutaussehende Menschen. “ike” von iketeru kann auch “cool” bedeuten.

    Ich denke, wir teilen bei “moe” nicht denselben Geschmack ^_- Ich finde die Hauptfigur “Chieko” persönlich auch nicht wirklich brennend “moe”, sondern denke, dass sie so für einen Teil der Zeitschriftenleser ist.

    Ich bevorzuge bk1 gegenüber Amazon, siehe auch mein Posting hier: http://ani.donmai.ch/?p=30

    @fyl

    Ähh, ja, wasauchimmer.

  4. avatar seto says:

    fyl: もしかして、お前もきもい変態だろ?ノンビリタイムズを読むから。

  5. avatar Maya-Freak says:

    Ja, das mit denn Platz Problem kenne ich auch nur zu gut. Hatte ich mir vor ein paar Wochen erst ein neues Regal gekauft ist schon wieder alles voll. Und ich weiß jetzt schon wieder nicht wohin damit.

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