Alte japanische Anime-Preise

Bloged in Anime by Ataru Saturday May 23, 2009


Anime ist ein teures Hobby. Japanische Trickfilme auf DVD kosten oft ein mehrfaches als US-Spielfilme oder Realserien. Dabei sind die amerikanischen oder europäischen Preise verglichen mit den japanischen Preisen meist noch human. Importfans wissen, dass eine einzelne japanische Anime-DVD, je nach Anzahl Episoden bzw. Laufzeit, in der Regel zwischen 5000-8000¥ kostet.

Viele Anime-Releases sind in Japan Luxusprodukte, die sich an zahlungswillige Fans richten. Trotz des Aufkommens von p2p-Programmen und weiteren Möglichkeiten des digitalen Kopierens sind in Japan immer noch viele Liebhaber bereit, viel Geld für legale Releases auszugeben. Bei uns ist das anders. Es ist heute nicht unüblich, dass neue Fans sich über die angeblich unverschämten RC1/RC2-DVD Preise der hiesigen Anbieter beschweren und dann auch noch DVD-Rips rechtfertigen. Die Dr.House und Simpson DVD-Boxen sind ja um so vieles billiger; wieso soll man also für den gleichen Preis bloss 1-2 Anime DVDs kaufen können?

Wie auch immer, um heutige DVD-Preise geht es mir bei diesem Eintrag nicht, sondern um Preise von Anime-Releases aus früheren Zeiten. Diese findet man z.B. in alten Anime-Magazine aus den frühen Achtzigern. Für eine kleine Recherche verwende ich vornemlich das Monatsmagazin Animage.

Fangen wir mal mit der Ausgabe Februar 1982 an: Werbung für: Anime-Schallplatten und Musikkassetten, Captain Harlock-Goodies, Roman Alben von Ideon, T-Shirts, Institut für Beinverlängerung (!), Animatoren-Schulen, ein Hightech-Kassettenspieler samt Infrarot Fernbedienung (….wow …) … Start eines komischen Forsetzungs-Manga namens “Kaze no tani no Nausicaä” von einem Herr Miyazaki (aus dem Comic wird sicher nichts. Ich sehs schon) … Hm, interessant: Es gibt schlicht keine Werbung zu Anime VHS-Kassetten. Die ersten OAVs erscheinen zwar erst ein Jahr später auf dem japanischen Markt, aber zumindest Kassetten von beliebten TV-Animes wie Uchuu Senkan Yamato oder von Kinofilmen wie Galaxy Express 999 habe ich bereits zu diesen Zeiten erwartet. Offenbar Fehlanzeige.

Springen wir drei Jahre weiter in die Zukunft: Animage Juni 1985.

Auch hier zunächst die übliche Werbung für kleineres Merchandising wie Vinyl-Figuren, Schallplatten, Musikkassetten, Romane, usw. Doch dann plötzlich die folgende Werbung in Farbe:

Minky Momo – La ronde in my Dream. Eine VHS mit 80 Min Dauer, zum stolzen Preis von… 12’800¥!

Gut, man kann jetzt dagegenhalten, dass es sich nicht um ein paar TV-Folgen handelt, sondern um die erste OAV (Original Animation Video) von Minky Momo. OAVs waren traditionell bei gleicher Laufzeit schon immer etwas teurer als TV-Serien. Aber dennoch… 12’800¥, die muss man zuerst einmal haben.

12’800 Yen waren 1985 beim damaligen Wechselkurs 51$. Das klingt nach wenig, aber der Dollar war damals auch ca. 2.90 Schweizer Franken wert! Die Kassette kostete also umgerechnet ca. 148.- sFr.

Ein paar Seiten weiter finden wir Werbung für VHS-Kassetten zu Moomin und Miyazakis Panda Kopanda. Heute kann man beide Kurzfilme von Panda Kopanda auf einer DVD für 14.95$ haben, aber damals musste man sie noch einzeln kaufen, für je 8’800¥. Bei Moomin sieht es nicht viel besser aus: 8’800¥ für zwei TV-Folgen (49 Min. Dauer).

Wieder ein paar Seiten weiter kommt eine Anzeige von der auf Anime und Manga spezialisierten Kaufhauskette Animate. Hier kostet der Film Lupin – Castle of Cagliostro 19’800¥ (!), Urusei Yatsura – Only you 17’800¥ oder Macross – Do you remember Love 14’800¥. Bei TV-Serien haben wir z.B. Captain Tsubasa mit 11’800¥ pro Kassette oder Meitantei Holmes, 9’800¥/Tape.

Interessant sind die Preise von Laserdiscs und -VHDs (Video High Density): Sie sind etwas tiefer als die von VHS-Kassetten. So kosteten Laserdiscs von Sherlock Holmes damals 7’800¥/Stück anstelle von 8’800¥ wie bei den Kassetten. Nausicaä war mit 9’800¥ sogar deutlich billiger als auf VHS (14’800¥). Noch in den Neunzigerjahren kosteten Anime VHS-Kassetten teils deutlich mehr als Laserdiscs, was ich persönlich nie so ganz verstanden habe, weil die Laserdiscs in weniger grossen Mengen produziert wurden und auch die weit bessere Bild- und Tonqualität boten. Entweder war die Herstellung von VHS-Kassetten schlicht teurer als das Pressen von Laserdiscs oder es hängt mit dem Verleih zusammen, bzw. die Preise waren teurer, weil VHS-Tapes auch für Videotheken gedacht waren (Laserdisc hingegen waren für den Verleih verboten).

Hier noch weitere Beispiele von sehr hohen Preisen:

Links oben: Creamy Mami – Lovely Serenade. Eine Music-Combilation mit Szenen aus der gleichnamigen TV-Serie. 30 Minuten für 6’000¥.
Rechts oben: Tezuka Osamu – Tenrankai no E (pictures at an exhibition). Tezukas Experimentalanimes aus den Sechzigern bis in die Achtziger, 7’800¥

Wir lernen daraus, dass Anime heute zwar immer noch Luxusprodukte sind, damals aber für wenige Minuten animierten Spass eine halbe Monatsration Essen bedeuteten.

2 responses to “Alte japanische Anime-Preise”

  1. avatar Yuki says:

    “Wir lernen daraus, dass Anime heute zwar immer noch Luxusprodukte sind, damals aber für wenige Minuten animierten Spass eine halbe Monatsration Essen bedeuteten.”

    Dafür waren viele der früheren Anime auch ganz einfach besser xD…

  2. avatar derBene says:

    Derbe Preise. Aber so überrascht bin ich nicht, es ist heute immernoch allgemein sehr teuer in Japan zu leben.

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